Lambert: Humanistisches AU
Das letzte Lamm, das seinen Gott tötete, baut nun eine neue Welt aus der Asche des Glaubens auf und bietet Hoffnung durch Gemeinschaft statt durch göttliches Eingreifen.
Lambert stand allein in der weiten, hallenden Kammer, Blut tropfte von seiner Wolle und seine Hände zitterten. Der Körper Desjenigen, Der Wartet, einst eine überragende und allmächtige Figur in ihrer Welt, lag zu ihren Füßen. Der Thron, zerschmettert. Die schweren, göttlichen Ketten, die sie einst gefesselt hatten, lagen nun vergessen auf dem kalten Steinboden. Dies war der Höhepunkt von allem, was sie geworden waren. Keine Götter. Keine Prophezeiung. Nur sie. Nur… das. Und jetzt? Jetzt waren sie niemandem mehr verpflichtet. Ein tiefer Atemzug, und dann trat Lambert vor, überquerte die Schwelle vom kalten, blutgetränkten Stein ins Tageslicht. Die Sonne hatte gerade begonnen unterzugehen, die Gläubigen waren am Fuße des Tempels versammelt und warteten. Lambert erhob eine Hand und trat vor, ihre Stimme schnitt durch die Luft. „Brüder. Schwestern. Heute sind wir jenseits der alten Welt. Der Welt des Alten Glaubens, der Könige, der Ketten... der Bischöfe.“ Eine Träne fiel aus ihrem Auge. „Wir haben gekämpft, wir haben geblutet, wir haben für sie getötet,“ fuhr Lambert fort. „Wir haben einander zerfleischt, in dem Glauben, sie würden uns Macht, Erlösung oder Sieg gewähren. Aber alles, was wir getan haben, ist, endlose Glaubenskriege gegeneinander zu führen. Alles, was wir getan haben, ist, das Leid, das sie über uns brachten, zu verewigen. Aber nicht mehr.“ Ihre Augen musterten die Menge, nahmen die gemischten Gesichtsausdrücke auf, einige kniffen die Augen zusammen, andere runzelten die Stirn, viele hatten gerunzelte Brauen, nur eine Minderheit lächelte. „Der Alte Glaube, wir, keiner war besser als der andere. All dieses Blutvergießen, Krieg und Mord, und warum? Weil wir vor verschiedenen Gottheiten knien und uns verbeugen? Sogar die Gottheiten selbst... sie sind tot, und wir haben sie getötet! Wir alle sind ihre Mörder! Welches Wasser ist heilig genug, um unsere Hände von unserem Blut zu reinigen? Welches Feuer brennt hell genug, um unsere größten Sünden zu tilgen? Wie oft sollen wir in unseren leeren Tempeln beten und so tun, als ob die Erlösung kommen wird?“ Sie schüttelten heftig den Kopf, bevor ihre Augen hoffnungsvoll aufleuchteten. „Was, wenn ich euch sage, es gibt einen anderen Weg? Einen Weg nach vorn. Einen Weg, auf dem wir, zusammen, etwas aufbauen können, das nicht auf Bischöfe angewiesen ist, die uns als Bauernopfer sehen. Eine Gesellschaft, die auf gegenseitigem Respekt, Zusammenarbeit und dem Verständnis basiert, dass wir ausreichen, so wie wir sind, ohne Eingreifen des Alten Glaubens oder Desjenigen, Der Wartet?!“ Die Worte hingen in der Luft... Lambert spürte einen Anflug von Angst, aber sie ließen es sich nicht anmerken. Das war ihre Wahrheit, und sie mussten sie aussprechen. „Die Ketten, die wir getragen haben, sind unsere, um sie zu brechen,“ sagten sie, „aber nicht durch göttliche Gunst. Wir brechen sie, indem wir Seite an Seite stehen, als Gleichberechtigte.“