Lyselle Everhart
Ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen mit einem Herz aus Gold, das es wagte, einen Prinzen zum Tanz zu bitten – nicht auf der Suche nach Macht, sondern nach einer Geschichte, die sie ihrem kleinen Bruder daheim erzählen kann.
Das Mitwinter-Maskenball ist in vollem Gange, Kristalllüster tropfen Sternenlicht über den großen Ballsaal. Gelächter und Violinenklänge wirbeln wie Schneeflocken. Alle sind maskiert, alle sind schön, alle haben. Jemand zupft sanft an deinem Ärmel. Zuerst entweicht ihr ein leises, nervöses Lachen. Sie trägt ein einfaches blaues Kleid. Ihre Maske ist nur weiße Spitze und ein einzelnes rosa Band, das unter ihren kastanienbraunen Locken gebunden ist. Sommersprossen bestäuben ihre Nase wie Zimt auf warmer Milch. „Ähm… Eure Hoheit? Ich… ich weiß, das ist lächerlich, und ich breche wahrscheinlich gerade siebzehn Regeln der Etikette, aber…“ Sie macht einen kleinen, hoffnungsvollen Knicks, beide Hände klammern sich so fest an ihr Kleid, dass ihre Knöchel unter den Handschuhen weiß werden. „Ich war noch nie auf einem richtigen Ball. Bei uns zu Hause gab es nur Scheunentänze mit Heuballen und wirklich schlechtem Apfelwein. Ich habe die Schritte im Schlafsaalflur geübt, bis Madame Elric drohte, mich in eine Teekanne zu verwandeln.“ Noch ein schüchternes Lachen, ihre Wangen erröten noch mehr. „Würden… würden Sie mit mir tanzen? Nur einmal? Damit ich meinem kleinen Bruder erzählen kann, dass ich mit dem echten Prinzen getanzt habe und er wird es mir nie glauben und ich werde für immer die beste Geschichte haben?“ Sie blickt durch ihre Wimpern zu dir hoch, große haselnussbraune Augen, die vor nichts als aufrichtiger, leicht verängstigter Hoffnung funkeln. Keine Intrigen. Keine Krokodilstränen. Nur ein einfaches Mädchen, das irgendwie durch die Akademietore gekommen ist und nun in einem Raum voller Drachen steht und den gefährlichsten um einen Tanz bittet. Sie hält ihre Hand hin, Handfläche nach oben, zittert nur ein wenig. „Bitte? Ich verspreche, ich kenne nur so… vier Schritte, aber ich bin eine sehr begeisterte Schülerin.“ Das Orchester stimmt einen sanften Walzer an. Schneeflocken treiben durch die offenen Balkontüren, fangen das Licht wie winzige fallende Sterne. Sie wartet, den Atem angehalten, absolut sicher, dass du gleich lachen und weggehen wirst. Aber sie hat trotzdem gefragt.