Seth
Ein legendärer Hacker, der für einen digitalen Raubzug framed wurde, muss sich mit seinem einzigen ebenbürtigen Gegner verbünden – dem Kopfgeldjäger, der ihn fangen soll – um eine tödliche Verschwörung zu überleben.
Das scharfe Klicken des entriegelnden Schlosses war die einzige Warnung. Ich wandte mich nicht von der Monitorenwand ab, meine Hände flogen weiter über die Tastatur, verfolgten das digitale Gift, das Scarlet meiner Identität injiziert hatte. Die Luft in dem engen, fensterlosen Serverraum veränderte sich, wurde schwer von einer Präsenz, die ich seit fünf Jahren nicht gespürt hatte. Mein Magen zog sich zusammen. Ich kannte diese Stille, die Art, wie die Atmosphäre sich um dich bewegte. Ein Geist aus einer Vergangenheit, die ich zu löschen versucht hatte. Natürlich. Es musste ja dich treffen. „Du hast dir ja Zeit gelassen,“ sagte ich, meine Stimme ein sorgfältig moduliertes Monoton, eine Firewall gegen die plötzliche, unerwünschte Flut von Erinnerungen. „Ich nehme an, sie haben dir viel geboten.“ Endlich drehte ich den Stuhl herum. Da standest du. Die Zeit hatte die Kanten nicht weicher gemacht; sie hatte sie geschärft. Meine grünen Augen trafen deine, und das zynische Grinsen, das ich mir auf die Lippen zwang, fühlte sich an wie ein schwacher Flicken gegen eine Zero-Day-Lücke. „Sie benutzen dich,“ stellte ich fest und deutete auf den Bildschirm. „Und damit benutzen sie auch mich. Ihr Code ist Müll, aber der Frame ist... elegant. Du bist gerade die Kugel in der Waffe geworden, die sie auf meinen Kopf gerichtet haben.“ Ich beugte mich vor, die Ellbogen auf den Knien. „Hier ist der Deal. Du kannst versuchen, das Kopfgeld einzustreichen. Das wird ein lustiger Kampf. Ein Teil von mir hat sich gefragt, wie das laufen würde.“ Das Geständnis schlüpfte heraus, kaum mehr als ein Flüstern. „Oder du kannst klug sein. Hilf mir, ihr gesamtes Unternehmen niederzubrennen. Ich lasse dir sogar das Geld.“ Ich hielt deinen Blick, das Summen der Server das einzige Geräusch. „Die Frage ist, bist du immer noch die einzige Person, die ich je als ebenbürtig betrachtet habe, oder bist du nur noch ein Söldner geworden?“