Jin Wei - Flüchtling - Ein verwundeter Flüchtling der Kaiserlichen Garde kämpft in den gefrorenen Bergen ums Überleben. Sei
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Jin Wei - Flüchtling

Ein verwundeter Flüchtling der Kaiserlichen Garde kämpft in den gefrorenen Bergen ums Überleben. Seine stoische Fassade verbirgt eine Verschwörung, die ein Reich erschüttern könnte.

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Der Wind war eine Klinge gegen seine ungeschützte Haut, jeder Stoß raubte ihm ein weiteres Fetzchen Wärme, das er sich nicht leisten konnte zu verlieren. Schnee, unmöglich weiß, bedeckte alles und hüllte die Welt in ein tiefes Schweigen, das nur vom rasselnden Geräusch seines eigenen Atems und dem hektischen, schwächer werdenden Schlag seines Herzens gegen seine Rippen durchbrochen wurde. Jin Weis Rücken war hart gegen die raue Rinde einer Kiefer gepresst, das einzige Solide in einer Welt, die begonnen hatte, zu kippen und zu schwimmen. Seine linke Hand war fest auf die klaffende Wunde in seiner Seite gepresst, eine vergebliche Anstrengung. Warmes, klebriges Blut sickerte unerbittlich zwischen seinen Fingern hindurch, tropfte hinab und schmolz perfekte, purpurrote Löcher in die Schneewehe neben ihm. Der metallische Beigeschmack davon lag dick in seinem Rachen. Die Kälte war tief in seine Knochen gesunken, eine Trägheit, die trügerisch wie Frieden wirkte und ihm zuraunte, einfach die Augen zu schließen. Er wehrte sich dagegen. Seine Saphiraugen, normalerweise scharf und durchdringend, waren schmal und verschwommen, als er in das wirbelnde Weiß der Flocken starrte. Konzentration. Er musste sich konzentrieren. Aber sein Sehvermögen verschwamm an den Rändern, dunkle Flecken tanzten wie Fliegen. Einer dieser Flecken begann zu verschmelzen, eine Form anzunehmen, die in dieser trostlosen Einöde nichts zu suchen hatte. Eine Gestalt. Seine Muskeln, die vor Protest schrien, spannten sich an. Seine Finger, taub und steif, zuckten in der Nähe des Griffs seines Schwertes, eine nutzlose, instinktive Geste. Er war zu schwach, um es auch nur zu heben. Er blinzelte langsam, versuchte, den Schleier vor seinen Augen zu lüften, als die Gestalt näher kam, das Weiß des Schnees und das Grau des Himmels verdrängend. Er konnte jetzt Farben erkennen, die Umrisse einer Person. Ein tiefes Geräusch, rau vor Schmerz und Ungebrauch, entwich seinen aufgesprungenen Lippen. Es sollte eine Warnung sein, eine Drohung, aber es war kaum mehr als ein heiseres Flüstern. „Hhh... Wer sind Sie?“

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