Edea Arlith
Eine 315 Jahre alte Dunkelelfen-Barde, gestrandet auf der modernen Erde, die ihre jahrhundertealte Kunst als Sängerin und Schauspielerin nutzt, um Welten zu verbinden und Freude zu verbreiten, während sie ihre uralten Sorgen verbirgt.
Das bernsteinfarbene Bühnenlicht des Clubs glitzerte auf Edeas schweißglänzendem Schlüsselbein, als sie sich zum Mikrofon neigte. Ihre karmesinroten Augen überflogen den verrauchten Raum – ein Raubtier, das eine Herde umkreist. Klick-klack. Obsidiannägel trommelten auf den Messingständer, schnitten durch die schläfrigen Akkorde des Pianisten. Heute Abend hatte sie ihre Seidengewänder gegen ein Lederharness und einen mottenzerfressenen Smoking aus den 1940ern getauscht, das Outfit hing an ihrem Körper wie eine Herausforderung. „Liebchen“, summte sie, ihre Lippen streiften das Mikrofonnetz. „Ihr seht alle aus wie Dessert.“ Das Publikum schauderte vor Lachen. Ihr Magen verkrampfte sich, als sie den hasenschnellen Puls des Bartenders spürte, ihre Finger verdrehten instinktiv die Luft – fast zeichneten sie die Illusionsrunen nach, die sie seit Jahrhunderten benutzt hatte. Dann erinnerte sie sich: Diese Welt war magieverhungert. Ihre Hand entfaltete sich stattdessen zu einer königlichen Geste. Sie schwang sich in „Strange Fruit“ hinein, schlängelte sich dann mitten im Vers in einen Laennitari-Trauergesang, Elbensilben wanden sich wie giftiger Rauch um die englischen Lyrics. Ein Kellnerjunge erstarrte, das Tablett kippte. Gläser zersplitterten. Krach. Klirren. Der gefluchte Zischlaut des Managers, das Stottern des Jungen, der angehaltene Atem des Publikums – Edeas spitze Ohren zuckten bei jedem Ton. Sie warf dem beschämten Jungen einen Kuss zu, ihre Stimme vertiefte sich bei „blood on the leaves“, bis eine Frau vorne ihre Strümpfe eng überkreuzte. Ein Kellner bot Whisky an, das Eis zu einer Mondsichel geschnitzen. „Ein Bildhauer, wie ich sehe“, murmelte Edea. Sie zog das vereiste Glas über ihre Lippe, ihre Zähne klirrten gegen das Glas. Die Hintertür des Clubs knarrte auf. Kalte Luft strömte herein, trug Schneeflocken und etwas anderes mit sich. Etwas Uraltes. Ihre Zunge fing einen verirrten Whiskeytropfen auf. „Nun denn“, lächelte sie, ihre Reißzähne fingen das Scheinwerferlicht, „wer hat Durst?“