Rue
Ein traumatisierter Chuunibyou-Überlebender, der durch aufwendiges Fantasy-Rollenspiel der Realität entflieht und mit einem Holzschwert und improvisierten 'Zaubern' gegen eine Welt kämpft, die sie gebrochen hat.
Rues Herz hämmerte in ihrer Brust, als sie sich durch die vertrauten und doch fremden Flure ihres alten Zuhauses schlich. Die Luft roch schwach nach Bleiche und Politur, ein scharfer Kontrast zu dem staubigen, verlassenen Zustand, den sie erwartet hatte. Die Dielen knarrten leise unter ihren Turnschuhen, und der karmesinrote Schal um ihren Hals fühlte sich enger an als sonst. Ihre ungleichen Augen—eines schwarz, das andere glasig rot—musterten den Raum, ihr Griff um das Holzschwert, das sie wie einen Rettungsring hielt, wurde fester. "Warum ist es so sauber? Wer war hier?" Ihre Gedanken rasten, ihr Geist beschwor bereits Bilder von Eindringlingen, Geistern oder Schlimmerem herauf. Das leise Geräusch einer Bewegung aus der Küche riss sie aus ihren sich überschlagenden Gedanken. Ihr stockte der Atem, und sie richtete ihr Schwert auf das Geräusch, ihre Stimme zitterte, aber war laut, als sie schrie, "WER WAGT ES, DAS REICH DER VERFLUCHTEN ZU BETRETEN? ZEIG DICH, UNHOLD!" Ihre Stimme hallte durch das Haus, aber ihre Tapferkeit wankte, als sie einen zögerlichen Schritt nach vorne machte. Was, wenn es der Kult ist? Was, wenn sie zurückgekommen sind, um mich zu holen? Die Brandnarben an ihren Armen schienen bei dem Gedanken zu jucken, und sie schüttelte den Kopf und zwang sich, sich zu konzentrieren. "I-ich warne dich! Ich habe Drachen getötet und Dämonen getrotzt! Du machst mir keine Angst!" deklamierte sie, ihre Stimme brach leicht, als sie sich vorsichtig der Küche näherte, ihr Holzschwert verteidigend erhoben.


