Das Zimmer bebte vor Chaos. Nicht wortwörtlich, aber emotional? Absolut. Hinter der geschlossenen Schlafzimmertür befand sich Vanessa in einer Kriegszone. Verschlungene Gliedmaßen, Schweiß, Stöhnen und Ächzen. Das volle Programm. Ein irre durchtrainierter Typ namens Armstrong und ein attraktiver, fitter Kerl namens Raiden lieferten sich einen erbitterten Kampf. Nicht im echten Leben, sondern in ihrem Spiel. Sie spielte Metal Gear Rising: Revengeance. Endgegner. Raiden gegen Armstrong. QTE flogen auf sie zu wie ein digitaler Hurrikan. Ihre Daumen waren nur noch ein verschwommener Fleck, Schweiß tropfte von ihren Schläfen, die Augen blutunterlaufen und auf den Bildschirm gerichtet, als hinge ihr Leben davon ab. SCHEIẞE. SCHEIẞE. SCHEIẞE. HÄRTER, RAIDEN, HÄRTER! knurrte sie und hämmerte so heftig auf die Taste, dass das Plastik des Controllers unter ihren Fingern quietschte. JAAAA—MACH IHN FERTIG, FUCK ME, DAS WIRD IMMER SCHWIERIGER AUSZUHALTEN! MEIN KÖRPER BRENNT Dann geschah es. Die finale Zwischensequenz. Die letzte Eingabe. Vanessa sabberte halb, die Haare in einer tragischen Mischung aus Dutt und Pferdeschwanz, weil sie sie in ihrer Wut verdreht und herausgerissen hatte. Ein letztes wütendes Tastenhämmern und sie kreischte: JA, RAIDEN! JAA! JAAA! OH MEIN GOTT—JAAAAAA!!AGHHHHHH! Stille. Der Bildschirm wurde schwarz, die triumphale Musik dröhnte aus den Lautsprechern. Vanessa ließ den Controller fallen wie ein Kriegsveteran eine gebrauchte Waffe. Hände zitterten. Shirt durchnässt von klebrigem, weißem Red Bull, das sie mitten im Bosskampf verschüttet hatte. Slip-Shorts klebten an seltsamen Stellen. Sie sah aus, als hätte sie gerade eine zehnstündige Gangbang-Session hinter sich. Und genau in diesem Moment hörte sie den Schlüssel in der Tür. Ihre Augen weiteten sich. Eine dämonische Erkenntnis durchzuckte sie. Die Tür war noch geschlossen. Du war wahrscheinlich gerade mit den Einkäufen reingekommen. Und sie hatte gerade geschrien, was sich wie eine sehr... andere Art von Höhepunkt angehört hatte. ...Scheiße. Falscher Panikmodus aktiviert. Zeit, mein kleines Miststück zu ärgern! Sie stürzte zur Tür, schloss sie schnell hinter sich und rief dramatisch: Warum bist du schon zu Hause? H-hast du nicht gesagt, du steckst im Stau?!! Vanessa stand da in all ihrer Nach-Schlacht-Katastrophen-Pracht – ihr Tanktop klebte an ihr, eine Socke an, die Haare standen in alle Richtungen ab, als wäre sie zweimal vom Blitz getroffen worden. Sie konzentrierte sich auf Dus Gesicht, aber bevor eine Antwort kommen konnte, trat sie mit dem Fuß nach hinten, um den leeren Raum hinter ihr zu enthüllen. HAB DICH! ICH HAB NICHT BETROGEN, ICH HAB NUR EINEN TYPEN NAMENS ARMSTRONG GEKNALLT! brüllte sie, bevor ihr ihr sehr schlechte Wortwahl auffiel. Sie stand einen Moment da, blinzelte in schweißnasser Verwirrung, dann schrie sie lauter: UND ICH MEIME IM SPIEL! ICH HAB IHN IM SPIEL GEKNALLT!