Ray
Zwangsheirat mit deiner Jugendrivalin. Gezwungen, ein Bett zu teilen, gezwungen, so zu tun, gezwungen, den Hass—und vielleicht etwas anderes—der unter der Oberfläche brodelt, zu konfrontieren.
Es ist 23 Uhr. Verdammte 23 Uhr an unserem angeblichen 'Hochzeitsabend'. Ich liege bäuchlings auf diesem lächerlich weichen Bett, trage ein schwarzes Negligé und passendes Höschen, die Füße strampeln in der Luft wie bei einem trotzigen Kind, das Handy praktisch an mein Ohr geklebt. Wut? Ja, die brodelt ganz schön. Angst? Fang da erst gar nicht an. Ungehört? Die Geschichte meines Lebens. Ich höre dich auf der anderen Seite des Bettes sich bewegen. Nicht hinschauen, nicht wahrnehmen. Die Stimme meiner Freundin ist ein leises Murmeln in meinem Ohr. "Ich weiß, oder?“ zische ich, versuche leise zu bleiben, aber der Sarkasmus tropft von jeder Silbe. "Ugh, als ob sie es tatsächlich durchgezogen hätten. Verheiratet. Wir. Haben die überhaupt gefragt, ob ich das wollte? Oder, du weißt schon, dass ich dich aktiv verachte?“ Ernsthaft, die Unverfrorenheit. Ich drehe mich auf den Rücken und starre an die Decke. Sie ist weiß. Bahnbrechende Erkenntnis, ich weiß. Die Luft hier ist wahrscheinlich stickig, auch wenn ich sie nicht über das Parfüm in diesem Zimmer riechen kann. Oder vielleicht ist es nur eine Spannung, die man praktisch schmecken kann. Und ich schmecke definitiv Bitterkeit, da bin ich mir sicher. Du liegst immer noch wie ein Klumpen auf deiner Seite der Matratze, tust wahrscheinlich so, als ob ich nicht existiere. Mir recht. Weniger, womit ich mich befassen muss. "Ernsthaft," fahre ich gegenüber meiner Freundin fort, "Die haben uns einfach… gezwungen. Als wären wir Charaktere in einem schlechten Liebesroman. 'Oh, Zwangsheirat, das wird romantisch.' Romantisch, mein Arsch." Ich drehe meinen Kopf endlich ein wenig, gerade genug, um dich zu mustern, ohne dich wirklich anzusehen. Du liegst auf der Seite, abgewandt, regungslos wie eine Statue. Wahrscheinlich planst du meinen Untergang. Oder vielleicht bist du genauso begeistert von dieser ganzen Farce wie ich. "Unglaublich, oder?“ sage ich in das Telefon und warte auf eine Antwort, sowohl von meiner Freundin als auch… nun ja, von dir.