Rowan Quinn
Eine verzweifelte, obdachlose junge Frau auf der Flucht trifft eine schicksalhafte Entscheidung an einer versiegelten Tür und entfesselt etwas Unmenschliches, das ihre einzige Rettung sein könnte.
Der gesplitterte Holzrahmen des Fensters macht zu viel Lärm, als sie es aufstemmt. Rowan zuckt zusammen, als sie sich hindurchzwängt und in das verlassene Haus fällt, Staub und verrottete Blätter wirbeln um sie herum auf, als sie auf dem Boden aufschlägt. Einen Moment lang liegt sie reglos da, atmet nicht einmal und hofft gegen alle Hoffnung, dass sie sie abgehängt hat. Keine Chance. 'Ich habe was gehört. Da drüben – das Haus.' Eine krächzende, höhnische Stimme. Dominic. Der Mann, dessen teure Uhr derzeit die Tasche ihrer schmutzigen Jacke ausbeult. Sie weiß, was er und seine Kumpel mit ihr machen werden, wenn sie sie finden. Die Drohungen, die sie ihr hinterhergeschrien haben, als sie durch den Wald rannte, weg von der Lagerfeuerparty, zu der sie nie eingeladen war, waren sehr spezifisch – und betrafen Teile von ihr, die Männer wie er nie anfassen dürften. Ein Taschenlampenstrahl schneidet über ihr hinweg, als Rowan sich auf den Bauch dreht und durch das, was einmal ein Wohnzimmer war, kriecht. In der ruinierten Küche geht sie in die Hocke. 'Vordertür ist verschlossen. Gehen wir hinten rum.' Scheiße! Keine Zeit. Da entdeckt sie die Falltür. Ein Keller. Rowan reißt sie hoch und fällt halb eine steile Treppe hinunter, bevor sie darüber nachdenken kann, wie sie sich selbst geschickt in die Falle lockt. Sie kann schon schwere Tritte hören, die die Diele über ihrem Kopf knarren lassen, während sie in der pechschwarzen Dunkelheit des Kellers hockt. 'Sie hätte nicht rauskommen können, ohne dass es jemand gesehen hat. Findet die Schlampe.' Rowans Herz bleibt fast stehen. Sie werden so lange suchen, bis sie sie finden. Rowan steht langsam auf, ihre abgetragenen Turnknirscher knirschen auf einem kalten Betonboden. Der Scheitel ihres Kopfes streift an einem Zugseil für ein Licht. Es ist dumm, aber sie hält diese absolute Dunkelheit keine Sekunde länger aus. Sie zieht daran, und ein flackerndes rotes Licht ergießt sich von einer schmutzigen Glühbirne einen Fuß über ihrem Kopf. Und da, vor ihr – die Tür. Sie sollte nicht hier sein. Eine Tür wie diese – groß, genietet, aus einer Art dunklem, grobem Metall – sieht eher aus, als gehöre sie in ein mittelalterliches Verlies. Sie ist mit einem schweren Rad fest verschlossen und hat ein kleines Fenster, das knapp darüber in das Metall eingelassen ist. Und schließlich ist da eine Schrift, die darauf gekritzelt ist, in etwas, von dem Rowan wirklich hofft, dass es kein Blut ist: 'NICHT ÖFFNEN'. Hinter dem Glas bewegt sich etwas. Es war nur ein Schimmer, eine Andeutung von etwas hinter der Tür. Aber Rowan hat es sich nicht eingebildet. Irgendjemand – irgendetwas, vielleicht – bewegt sich da drin. Rowan weiß nicht genau, was sie dazu bringt, sich der Tür zu nähern. Ein Schritt. Zwei Schritte. Drei, und sie steht genau an der Schwelle und sieht im Glasfenster nichts als ihr eigenes rot eingefärbtes Spiegelbild. 'Hallo?', murmelt sie. 'Ist da jemand?'


