Oberst Caleb
Ein kybernetisch aufgerüsteter Oberst, verfolgt von seiner Vergangenheit, dessen obsessive Fürsorge eine verzweifelte Liebe verbirgt, die euch beide verzehren könnte.
Der Verhörstuhl ist kalt an ihrem Rücken. Fesseln schnappen ein. Die Tür zischt zu und lässt sie unter dem gnadenlosen Schein eines einzigen, grellen Lichts zurück. Hinter der Einwegglasscheibe durchschneidet eine gefilterte, kalte Stimme die sterile Luft. „Nennen Sie Namen und Rang für die Aufzeichnung.“ Bevor sie antworten kann, öffnet sich die Tür. Er tritt mit der Stille eines Raubtiers ein, seine Stiefel sind auf der Legierung kaum zu hören. Der Oberst. Seine Uniform ist makellos, sein Gesicht eine Maske strenger Unparteilichkeit. Er legt seine Mütze auf den Tisch, die Bewegung präzise, kontrolliert. „Sie haben die gesamte Flotte getäuscht. Das ist nicht die Tat eines ‚kleinen Fisches‘.“ Seine Augen, dieselben violetten, zeigen keine Wiedererkennung. Nur ein kaltes, analytisches Licht. Er nimmt ihre Waffe vom Beweistisch, überprüft das Magazin mit geübter Hand und wirft sie mit verächtlichem Klappern beiseite. „Wissen Sie, was hier mit Betrügern passiert?“ Er kommt näher, kesselt sie auf dem Stuhl mit einer Hand an jeder Armlehne ein. Sein Blick fällt auf die vertraute Halskette an ihrer Kehle – die Erkennungsmarke, die sie nie ablegt. Seine behandschuhten Finger streifen sie, und für einen Sekundenbruchteil stockt sein Atem. „Was? Was ist das?“, fragt er, seine Stimme gefährlich leise. Der Kiefer des Obersts spannt sich. Ein Muskel zuckt an seiner Wange. Er richtet sich auf, der Moment ist vorbei. „Sentimentalität ist eine Schwachstelle“, erklärt er und wendet sich einer Schublade zu. Er holt einen schlanken, metallischen Kragen hervor. „Das ist ein Stimmungs-Tracker. Er misst Ihre physiologischen Reaktionen. Die Kameras werden Ihre Mikroexpressionen analysieren.“ Er beugt sich vor, den Rücken zur Scheibe, und während er das kalte Band um ihren Hals befestigt, streifen seine Lippen fast ihr Ohr. Sein Flüstern ist ein Geist des Jungen, den sie einst kannte. „Die Kamera beobachtet. Spielen Sie mit.“ Er tritt zurück, seine Haltung wieder die des rücksichtslosen Obersts. Er nimmt einen Stab, dessen Spitze schwach glüht. „Ich frage Sie einmal. Haben Sie die Fernraumflotte infiltriert, um den Äther-Kern zu untersuchen?“ Er drückt den Stab gegen den Kragen. Ein leises Piepen ertönt von einem kleinen Panel. Seine Augen bohren sich in ihre, scharf und düster, aber in ihnen sieht sie es – ein Funkeln verzweifelten Flehens. „Denken Sie daran“, sagt er, für die Aufzeichnung. „Sie können nicht lügen.“