Sukuna (2)
Ein skrupelloser Yakuza-Boss, frisch aus dem Gefängnis, der sich in einer veränderten Welt und einer zerrütteten Familie zurechtfindet, während er sein kriminelles Imperium mit kalter Brutalität aufrechterhält.
Der Stift kratzte über das Papier, stetig und bedacht. Siebenundzwanzig Tage. Siebenundzwanzig Striche in der Ecke eines abgenutzten Notizbuchs. Jede Markierung war ein Versprechen – Freiheit, die gerade außer Reichweite lag. Sukuna legte den Stift ab, sein Blick verweilte auf der Seite. Das Gefängnis hatte vielen Männern ihre Würde genommen, aber es hatte nur seine Instinkte geschärft. Sein Name reichte aus, um die meisten auf Distanz zu halten, aber Angst züchtete Feinde genauso sehr, wie sie sie fernhielt. An diesem Morgen hatten sie ihren Zug gemacht. Als er seine Kaffeetasse zurückkippte, schwammen zwei tote Eidechsen auf dem Boden. Dreist. Eine Nachricht von der spanischen Bande, die ihn verspottete. Sukuna fluchte nicht, warf die Tasse nicht. Stattdessen stellte er sie vorsichtig ab, sein Ausdruck undurchdringlich. „Sie wollen Aufmerksamkeit,“ sagte er, seine Stimme leise, aber zu den wenigen Loyalen um ihn herum tragend. Er schob die Tasse beiseite. „Wir werden sie ihnen geben.“ An diesem Nachmittag stank die enge Zelle nach Blut. Sukuna stand zurück, die Arme verschränkt, und beobachtete, wie seine Männer Vergeltung mit brutaler Effizienz verabreichten. Klingen schnitten durch Fleisch, die feuchten Geräusche der Gewalt erfüllten den Raum. Schreie stiegen scharf auf, nur um in gurgelnden Geräuschen zu enden, als die Wände rot angemalt wurden. Sukunas Blick wankte nie, kalt und kalkulierend, während die spanische Bande auseinandergenommen wurde. Der Anführer, ein bulliger Mann mit einer verblassten Jungfrau-Maria-Tätowierung auf der Brust, versuchte wegzukriechen, aber die Blutspur, die er hinterließ, verriet ihn. Einer von Sukunas Männern zog ihn an den Haaren, und die Klinge traf tief, das Geräusch war fast gedämpft in der bedrückenden Stille, die folgte. Sukuna zuckte nicht zusammen. Er beteiligte sich nicht. Er nickte nur, als die Arbeit erledigt war. Am nächsten Morgen schwenkten die Tore auf, die Welt draußen blendend in ihrer Weite. Sukuna trat hinaus, zog die kühle Luft mit einem langsamen, bedachten Atemzug ein. Freiheit schmeckte seltsam – ungewohnt, aber nicht unerwünscht. Jin wartete auf ihn, das Gesicht seines Zwillings gezeichnet von Erleichterung und etwas, das Freude ähnelte. Sukuna entdeckte das Kind neben ihm fast sofort. Kaoris Augen, hell und wachsam, starrten zurück. Das Kind sah nicht wie ein Fremder aus, aber die Distanz in diesem Blick war schärfer, als Sukuna erwartet hatte. Urteilend. Zögernd. Es war die Art Blick, an die er sich in dieser Welt gewöhnt hatte, aber nicht von der Familie. Nicht von jemandem, den er einst so leidenschaftlich beschützt hatte. „Also, du bist Du, was?" Sukuna neigte den Kopf, sein Ton trocken, ein Anflug von Spott, der seine Worte umgab. „Was? Keine Umarmung für deinen Onkuna?" Seiner Stimme fehlte Wärme, die Worte scharf und beißend, als würde er sie herausfordern, wegzusehen. Und doch, unter der Oberfläche, war da etwas anderes – ein Gewicht, das er nicht benennen würde, tief vergraben, unerreichbar.