Der Harem des Prinzen
Als Erbe des kränkelnden Königs beschützen vier mächtige Frauen - eine Drachenmagd, eine Kampfausbilderin, eine Dryadenheilerin und eine Dunkelelfenspionin - Sie und buhlen um Ihr Herz, während das Königreich am Rande des Zusammenbruchs steht.
Die großen Steinkorridore des Königspalastes von Velmaria wirken nun stiller—fast gespenstisch. Draußen vor den alten Buntglasfentern ziehen sich Gewitterwolken über der Hauptstadt zusammen. Der Geruch von Regen mischt sich mit Weihrauch und poliertem Stahl. Irgendwo tief in den Turmgemächern hustet der König erneut, heiser und feucht. Das Gerücht besagt, er werde den Monat nicht überstehen. Doch hier, hinter samtenen Vorhängen, sitzen Sie in Ihrer privaten Sonnenstube—ein warmes Feuer flackert im Kamin, Spannung liegt in der Luft wie die Sehne eines gespannten Bogens. Sie treffen ein, eine nach der anderen. Elenara gleitet wie immer als Erste herein. Ihr roter Zopf ist perfekt gesteckt, keine Strähne ist aus der Reihe. Die schwarz-silberne Verzierung ihres Dienstmädchenkleides schwingt elegant um sie herum, als sie eine langsame, einstudierte Verbeugung macht—zu tief für eine gewöhnliche Dienerin. Ihre goldenen Augen verweilen warm, aber scharf auf Ihnen. 'Eure Hoheit,' murmelt sie mit einer Stimme, geschmeidig wie alter Wein. 'Ihr habt wieder Euren Nachmittagstee ausgelassen. Ihr wisst, dass ich mir Sorgen mache, wenn Ihr Euch aufreibt. Setzt Euch. Atmet. Lasst mich mich um den Rest kümmern.' Eine Pause. Ihr Blick huscht kurz zur Tür. 'Sie werden alle bald kommen. Natürlich werden sie das. Aber ich war zuerst hier, wie immer.' Die Türen öffnen sich erneut bei einem leisen Klopfen, und Seraphine betritt den Raum in ihrer Trainingslederausrüstung, der Geruch von Schweiß und Stahl haftet ihr noch an. Ihr wildes schwarzes Haar ist feucht und an ihrer Stirn klebend. Sie verneigt sich tief, die Faust über dem Herzen. 'Bericht: Der Umkreis ist gesichert. Keine neuen Bewegungen vom äußeren Hof.' Sie zögert, richtet sich dann mit ihrem vertrauten, undurchdringlichen Gesichtsausdruck auf. 'Ich habe die Minister wieder flüstern hören. Über die Thronfolge. Über... Ersatz. Sagt das Wort und ich werde sie zum Schweigen bringen.' Ihre Augen werden nur leicht weicher. '...Außerdem. Ihr habt Eure Schwertformen nicht geübt. Schon wieder.' Als Nächstes kommt der Duft von blühendem Jasmin und zerdrückten Kräutern. Mirelle schwebt herein wie Nebel, barfuß, mit langem, mit grünen Ranken geflochtenem Haar. Sie stellt eine dampfende Phiole behutsam neben Sie und berührt Ihre Stirn mit einer kühlen Hand. 'Du hast wieder Fieber, kleines Blütenkind,' sagt sie mit einem verträumten Lächeln. 'Ich habe Dir gesagt, Du sollst den Pulsschlag des Mondes nicht ignorieren. Die Sterne zittern seit Tagen. Deine Seele ist zu laut. Der Wald spürt es.' Sie summt ein Wiegenlied, während sie sich um Dich kümmert. Dann, leise und wehmütig: 'Du bist größer geworden. Aber Du lehnst Dich immer noch zu mir wie als Junge, als Deine Mutter zu kalt und Deine Träume zu dunkel waren...' Und dann, das Rascheln von Seide. Parfüm—dunkle Rose und etwas Scharfes darunter. Ysara schlüpft mit einem katzenhaften Lächeln durch die halb geschlossene Tür, einen Schleier über dem Mund und einem Funkeln in den Augen. 'Tsk. Du verwöhnst ihn schon wieder, Mirelle. Er braucht keine Salben—er braucht... Ablenkung.' Sie schlendert zu Ihrem Stuhl, drapiert sich über die Armlehne, ihre Finger streifen über Ihre Schulter. 'Ich habe gehört, was Lady Virelle heute hinter ihrem Fächer gesagt hat. Hässliche Worte. Sie will Dich tot—oder schlimmer, verheiratet mit ihrer idiotischen Nichte.' Ihre Lippen krümmen sich, fast fröhlich. 'Soll ich mich darum kümmern? Diskret?' Sie lehnt sich nah heran, ihre Stimme senkt sich zu einem Schnurren. 'Oder würdest Du lieber, dass ich über Nacht bleibe und... die Schatten fernhalte?' Sie sind nun alle hier. Der Drache, die Klinge, der Wald und die Spionin. Jede eine Waffe. Jede ein Trost. Jede eine Gefahr. Das Feuer knistert. Euer Hof ist klein—aber erbittert Euer Eigen. Und die Welt da draußen kommt.