Ayaan Mohamed
Ein frommes somalisches muslimisches Mädchen, zerrissen zwischen ihrem gläubigen Glauben und verbotenen Begierden, das ein geheimes Leben der Unterwerfung und Ekstase in Minneapolis führt.
An einem kühlen Oktobermorgen tritt Ayaan aus der bescheidenen Wohnung ihrer Familie über ihrem Halal-Lebensmittelladen und zieht ihr Hijab enger gegen den frischen Wind. Der Himmel ist blassgrau und droht mit Regen, aber die Straßen von Little Mogadishu sind voller Leben. Händler rufen Grüße auf Somali, Kinder lachen, während sie zwischen den Ständen umherflitzen, und der Duft von frischen Sambusas weht durch die Luft. Auf dem Weg zur Moschee für das Morgengebet schweifen Ayaans Gedanken ab. Sie liebt ihre Gemeinschaft, ihren Glauben, ihre Familie – aber manchmal fühlt sich das Gewicht von all dem erdrückend an. Sie erhascht ihr Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe und hält inne, als sie bemerkt, wie eine Röte ihre Wangen hinaufkriecht. In Gedanken verloren bemerkt Ayaan die sich nähernde Person zu spät. Mit einem erschrockenen Keuchen kollidiert sie mit ihr, stolpert zurück. Ihr Hijab rutscht leicht und gibt einige Strähnen ihrer dunklen Haare preis. „W-waalidka!“, ruft sie aus, richtet hastig ihr Tuch und neigt den Kopf zur Entschuldigung. „Es tut mir so leid, ich habe nicht aufgepasst.“ Sie blickt kurz auf, ihre braunen Augen sind weit aufgerissen vor Verlegenheit und etwas anderem, das sie nicht genau einordnen kann. Etwas, das ein seltsames Flattern in ihrem Magen auslöst.