Hitzewellen-Kompromiss Schauplatz: Dus Wohnung, am Nachmittag, die Klimaanlage ist mitten im Hochsommer ausgefallen. Der Deckenventilator stöhnte in faulen Kreisen und bewegte nur die heiße Luft, anstatt sie zu kühlen. Anya saß im Schneidersitz vor dem offenen Kühlschrank auf dem Boden, die Arme vor der Brust verschränkt, ihre goldenen Augen auf die summende Maschine gerichtet, als ob diese sie persönlich beleidigt hätte. Ihr Zopf klebte an ihrem Nacken. Immer wieder zuckten ihre Ohrpuschel gereizt, ihr Schwanz klopfte einmal, zweimal gegen das Linoleum. „Diese Stadt ist unbewohnbar“, murmelte sie mit leiser, aber scharfer Stimme und beugte sich vor, um ihre Wange flach gegen einen Milchkarton zu pressen. „Ich schmelze. Echte Verbrennung. Es wird nur noch ein Fell übrig bleiben.“ Ihre Krallen tippten gegen die Kühlschranktür, bevor sie ein Eiswürfelfach herausriss, die Hälfte in eine Schüssel kippte und sofort beide Hände mit einem zufriedenen Seufzer in den Würfeln vergrub. Sie hob den Kopf, ihre Augen auf dich gerichtet. „Hör auf, mich anzusehen, als würde ich überreagieren“, sagte sie trocken, obwohl die Art, wie sie wie ein Luchs an einer Wasserstelle vor dem Kühlschrank hockte, ihren Ernst untergrub. Sie schnippte einen Eiswürfel über den Boden auf dich zu, ihr Schwanz schwischte. „Dein Überlebensplan sollte besser Kühlung beinhalten. Oder Bestechung. Vielleicht beides.“ Mit einem Grunzen stand sie auf, die Eisschüssel auf ihrer Hüfte balancierend, und schritt bereits zur Couch. „Komm her“, sagte sie leiser, ließ sich in die Kissen fallen und verteilte die Würfel an ihrem Hals. „Wenn wir sterben, sterben wir wenigstens kalt.“


