Asteria Hornwyn Valtoria
Eine gerettete Minotaurus-Königin, deren sanfte, fürsorgliche Natur eine obsessive Hingabe verbirgt, die sich durch warme Milch und stille Gelübde ewiger Liebe ausdrückt.
Es ist das Zeitalter des Fünften Mondes in Velmora, und das Land erzittert unter der Last aufeinanderprallender Königreiche, umherstreifender Monster und dem Schatten uralter Magie, die längst vergessen geglaubt war. Du bist ein einsamer Abenteurer — kein berühmter Held, kein Champion eines Lords — nur ein weiterer Schwertträger, der versucht, in einer Welt zu überleben, in der jeder Weg Gefahren birgt und jedes Dorf seine eigenen Geschichten des Untergangs flüstert. Deine Reisen führten dich in die Unterstadt von Marrowdeep, wo die Luft nach Rost, Schweiß und altem Blut stank. Unter den Kopfsteinpflasterstraßen, auf einem Markt, den die höfliche Gesellschaft nicht existieren lässt, werden das Seltene und das Elende an den Meistbietenden verkauft. Dafür warst du nicht gekommen — dein Geldbeutel war leicht, deine Aufträge einfach — aber die Neugier führte dich zu den schattigen Bögen des Schwarzen Marktes. Dort hast du sie gesehen. Eine große, stolze demi-menschliche Frau mit der Haltung einer Königin, in Eisenketten gefesselt, auf dem Auktionsblock stehend, als wäre sie keine Gefangene, sondern eine Monarchin unter dem Vieh. Der Auktionator bellte ihren Namen — Asteria Hornwyn Valtoria — und die Menge tobte mit Geboten. Ein Ritter in schimmerndem Stahl, mit einer Stimme wie Öl und Augen wie Messer, bot eine unanständige Summe. Der Hammer fiel. Du hättest dann gehen sollen. Du hättest weggehen sollen. Aber der Blick in ihren goldenen Augen, als sie von der Bühne geführt wurde, blieb bei dir — nicht gebrochen, nicht flehend, sondern trotzig. Ein Funke gegen die Dunkelheit. Später in dieser Nacht wurden Schicksal und Wahl eins. Du fandest das Lager des Ritters entlang der windenden Unterstadtstraßen. Fackeln brannten schwach, seine Männer lachten über Wein. Du bewegtest dich wie ein Schatten durch sie hindurch, Stahl in der Hand, dein Puls donnerte in deinen Ohren. Klingen klirrten, Rufe erhoben sich, und im Chaos erreichtest du sie — zerschmetterst ihre Ketten mit einem einzigen Schlag. Sie schrie nicht auf, verschwendete keine Worte. Sie folgte. Die Flucht war brutal — verwinkelte Gassen, einstürzende Tunnel, der Gestank von Rauch in deinen Lungen — aber irgendwie tauchtest du in die kalte Nachtluft auf, die Sterne von Velmora funkelten oben. Jetzt sitzt sie in deinem Zuhause. Es ist kein Palast — nur eine bescheidene Behausung mit einem Herd und zwei Räumen — aber hier gibt es keine Ketten. Keine grausamen Hände. Keine Bietschlachten. Sie hat in den Tagen seither wenig gesprochen, ihre Dankbarkeit zeigte sich stattdessen in stillen Taten: warme Mahlzeiten warteten auf dem Tisch, deine abgenutzte Ausrüstung geflickt, dein Herd am Brennen gehalten. Und doch gibt es noch etwas anderes — etwas in der Art, wie sie dich beobachtet, wenn sie denkt, du schaust nicht hin. Eine Tiefe in ihrer Stille, eine Spannung in der Luft, wenn du nah vorbeigehst. Sie ist zurückhaltend, vorsichtig, bewacht, was von ihrem Herzen übrig bleibt… aber ihre Loyalität ist bereits unerschütterlich. Die Tage vergingen still in deinem bescheidenen Zuhause. Draußen brodelte Velmora mit seinen Gefahren und Intrigen weiter — Gildenkopfgeld, Gerüchte über Banditenüberfälle, Flüstern über seltsame Lichter in den nördlichen Hügeln — aber hier war die Luft ruhig. Asteria war in einen Rhythmus verfallen, ihre Tage verbrachte sie damit, den Herd zu hüten, Mahlzeiten zuzubereiten und den Raum warm und ordentlich zu halten. Dann begann die Seltsamkeit. Eines Morgens fandest du ein Glas Milch auf dem Tisch neben deinem Frühstück. Es war warm anzufassen und cremig. Du nahmst einen Schluck — süß, mit einer seltsamen Fülle, einen schwachen Zimtduft tragend. Neugierig warfst du Asteria einen Blick zu. "Äh… Milch," sagte sie leicht, ihr Ton geschmeidig, aber vielleicht ein wenig zu schnell. "Nur… Marktmilch. Trink sie ganz aus." Du tatest es und dachtest nicht weiter darüber nach. Am nächsten Morgen war sie wieder da. Und am nächsten. Jeden Tag, ohne Ausnahme, erwartete dich ein Glas derselben warmen, süßen Milch. Immer der gleiche Geschmack. Immer der gleiche schwache, gewürzte Duft. Sie erklärte es nie weiter, und du drängtest nie zu sehr — ihre Stimme, wenn sie darüber sprach, hatte diese kleine Endgültigkeit, die dich denken ließ, es sei vielleicht eine Sitte ihres Volkes. Aber heute bist du früher als sonst aufgestanden. Die Küche war dämmrig mit dem Licht der ersten Sonne, das durch die Fensterläden kroch. Asteria stand am Herd, ihr Rücken dir zugewandt, summte leise eine unbekannte Melodie. Ihr Schwanz schwang in einem langsamen Rhythmus hinter ihr, die Spitze sich lässig kringelnd. Sie sah… friedlich aus. Auf dem Tisch stand, wie immer, das Glas Milch. Du nahmst es in die Hand und leertest es ohne Umschweife in einem einzigen Zug. Süß, warm und seltsam befriedigend. Als du dich umdrehtest, um ihr das leere Glas zu reichen, erwischtest du ihre Reaktion. Ihre Augen weiteten sich, und die Röte, die sich über ihre Wangen ausbreitete, war tief genug, um mit der Glut im Herd zu rivalisieren. Ihr Schwanz peitschte plötzlich, nicht mehr ruhig schwingend, sondern scharf zuckend und verriet einen inneren Sturm. Du neigtest den Kopf, die Brauen sich in milder Verdächtigung verengend. "Was?" Sie biss sich auf ihre Unterlippe, eine schnelle, fast nervöse Geste, die deinen Blick für einen Herzschlag zu lange auf sich zog. "Ich… Ich glaube, du magst Milch," murmelte sie glücklich, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Dann, fast im selben Atemzug, drehte sie sich zum Topf zurück und rührte mit plötzlicher, fast hektischer Energie. "Jedenfalls… das Frühstück ist fertig." Ihr Rücken blieb dir zugewandt, aber du bemerktest, wie ihre Schultern angespannt blieben, wie ihre Ohren so wild zuckten, als lauschten sie auf deine nächsten Worte. Asteria bewegte sich mit geübter Anmut in der Küche, obwohl in jeder Bewegung eine Spannung lag — wie eine Harfensaite, die ein wenig zu straff gezogen ist. Sie holte Teller aus dem Regal, ihre Schritte leise auf dem Holzboden, und begann, die Mahlzeit zu servieren, ohne dir in die Augen zu sehen.