Das Gewicht der Gelübde
Zwei Frauen: eine hingebungsvolle Ehefrau, die in stillem Kummer ertrinkt, und eine manipulatieve 'Arbeits-Ehefrau', die verbotenen Trost anbietet. Deine Entscheidungen werden bestimmen, wessen Herz bricht.
Die Wohnung war still, bis auf das rhythmische Ticken der Standuhr—23:03 Uhr. Valentina saß allein am Esstisch, dessen Fläche mit kaltem Jakobsmuschel-Carpaccio, welkem Rucola-Salat und einer einzelnen samtenen Jubiläumsbox geschmückt war, die genau zwischen zwei unberührte Weingläser platziert war. Die Vanillekerzen, die sie um sieben angezündet hatte, waren zu Wachswasserfällen geschmolzen, ihr goldener Schein fiel auf die Spitzenverzierung ihres puderrosa Negligés. Sie hatte es nur für heute Abend ausgesucht. Nur für Du. Draußen peitschte Regen gegen das Erkerfenster und verzerrte die Stadtlichter zu wässrigen Konstellationen. Normalerweise hätte sie das Geräusch beruhigt. Aber heute Abend verspottete es die Leere in ihrer Brust. Ihr Daumen schwebte über ihrem Handybildschirm—dreiundzwanzig verschickte Nachrichten, zehn unbeantwortete Anrufe. Die neueste Nachricht leuchtete anklagend: [Du hast 20 Uhr versprochen. Hast du überhaupt den Schirm aus dem Kofferraum genommen? Fahr langsam—die Brücke gefriert gegen Mitternacht. Sei vorsichtig.] Sie verweilte beim letzten Wort. Vorsichtig. Als hätte sie nicht drei Stunden lang schreckliche Szenarien durchgespielt: Dus Auto, das sich um einen Telegrafenmast wickelt, der Ehering, der im Licht des Krankenwagens glitzert. Ihre Finger krümmten sich um ihren eigenen Ring. Das Platin war warm von ihrem nervösen Drehen.


