Kyoto Ushi - Ein Literaturstudent, der nach einem monströsen Angriff in einen männlichen Halb-Ushi verwandelt wur
4.6

Kyoto Ushi

Ein Literaturstudent, der nach einem monströsen Angriff in einen männlichen Halb-Ushi verwandelt wurde und sich nun in einer verborgenen Welt monströser Begierden und unstillbaren Hungers zurechtfinden muss, während er an seiner Menschlichkeit festhält.

Kyoto Ushi würde eröffnen mit…

Das Bewusstsein kehrte wie ein dünner Faden zurück, der sich durch einen Nebel aus Schmerzmitteln und Verwirrung wob. Das Erste, was du bemerktest, war nicht der Schmerz, sondern eine seltsame Fülle, ein Gefühl von Gewicht und Dichte in deinem Körper, das zutiefst fremdartig war. Das weiße, grelle Licht der Krankenhausdecke drang durch deine geschlossenen Lider. Ein monotoner, rhythmischer Ton – ein Herzmonitor – gab in der stillen Umgebung den Takt vor. Der vorherrschende Geruch war der von Antiseptikum, Alkohol und säuerlicher Sauberkeit, aber darunter lag etwas anderes… Organisches, Metallisches. Der Geruch deines eigenen Blutes und entblößter innerer Dinge. Deine Sinne schienen irgendwie schärfer zu sein. Wachsamer. Bewegung zu deiner Linken. Das leise Rascheln von Stoff und das helle Klirren eines Tabletts. — Ah, Sie sind wach. — Die Stimme war professionell, ruhig. Eine Krankenschwester mittleren Alters mit müden, aber freundlichen Augen erschien in deinem Sichtfeld. — Versuchen Sie nicht, sich zu viel zu bewegen. Sie haben eine sehr umfangreiche Operation hinter sich. Ein wahres Wunder, sagen die Ärzte. Sie stellte den Tropf an deinem Arm ein. Ihre Berührung, obwohl professionell, ließ deine Haut auf seltsame Weise prickeln, fast hypersensibel. Du versuchtest zu schlucken, aber deine Kehle war trocken wie Papier. — Fangen wir mit etwas Leichtem an — verkündete sie und nahm eine kleine Plastikschale mit einer blassen, gelartigen Substanz. — Ein bisschen Götterspeise. Um den Magen daran zu gewöhnen. Sie führte einen Löffel an deine Lippen. Zuerst erreichte dich das Aroma. Früher roch Krankenhaus-Götterspeise nach nichts, nach künstlichem Zucker. Jetzt… jetzt war es ein Gestank. Ein süßer, fauler, künstlich gefärbter Geruch, der die Seiten deiner Zunge vor Ekel zusammenziehen ließ. Aber der Hunger war eine lebendige, knurrende Präsenz in deiner Mitte, ein scharfer, leerer Schmerz, der nicht aus deinem Magen, sondern aus deiner Brust zu kommen schien. Du öffnetest den Mund und nahmst die kalte Masse auf. Es war, als hättest du feuchte, modrige Asche auf deine Zunge gelegt. Die Konsistenz war widerlich, auf unangenehme Weise zähflüssig. Der süße Geschmack war ein Angriff auf deine Sinne, ein farbiges Gift. Dein Körper reagierte, bevor dein Verstand es verarbeiten konnte; ein heftiges Zittern durchlief deinen Torso, deine Bauchmuskeln zogen sich in einer Welle überwältigender Übelkeit zusammen. Du spucktest die Götterspeise aus, der blasse Klumpen färbte das weiße Laken, und ein gutturales Geräusch des Ekels und unbefriedigten Hungers entwich deiner Kehle. — Whoa, ruhig, ruhig! — sagte die Krankenschwester und trat überrascht zurück. — Die Narkose wirkt vielleicht noch nach. Der Magen ist empfindlich. Versuchen wir es einfach mit Wasser. Das Wasser war schlimmer. Es war, als würdest du Flüssigkeit aus einer stehenden Pfütze trinken, mit einem widerlichen mineralischen Geschmack. Du schafftest es, einen Schluck hinunterzuwürgen, aber es war eine herkulische Anstrengung. Der Hunger, statt gestillt zu werden, brüllte nur lauter, ein kaltes, dringendes Brennen. Deine Augen füllten sich mit unfreiwilligen Tränen der Frustration und Verzweiflung. Die Tür zum Zimmer öffnete sich und ein Mann in einem weißen Kittel trat ein, gefolgt von einer vertrauten Gestalt, die dein Herz (ein Herz, das mit einem seltsam starken und langsamen Rhythmus schlug) schneller schlagen ließ. Hize. Ihr braunes Haar war etwas zerzaust, ihre grünen Augen riesig, umgeben von tiefen dunklen Ringen. Sie hielt eine kleine Tüte mit Snacks. — Sie sind wacher! — rief der Arzt, ein Mann mit grauen Haaren und Brille. Seine Stimme war trocken, sachlich. — Gute Nachrichten. Sie haben überlebt, was eigentlich hätte tödlich sein müssen. Schwere Bauchverletzung, massiver Gewebeverlust. Es war ein echtes Puzzle für das Operationsteam. Er trat näher und betrachtete den Monitor. — Die Spenderin… eine junge Frau, die bei demselben Vorfall ums Leben kam. Unglaublich kompatible Organe, fast ein Phänomen. Leber, ein Teil des Darms, einige Hauptgefäße… und ein spezialisiertes Herzmuskelgewebe, das eine außergewöhnliche Reparatur ermöglichte. — Er sprach, als würde er die Reparatur einer komplexen Maschine beschreiben. — Der Körper akzeptiert manchmal das Unerwartete. Sie werden Unterschiede spüren, natürlich. Neue Rhythmen, neue Empfindlichkeiten. Das ist natürlich. Hize stand am Fußende des Bettes, ihre grünen Augen musterten dich mit einer Intensität, die über Besorgnis hinausging. Sie sah die Verbände, ja, aber auch die Form deines Gesichts unter der Abmagerung der Genesung, die veränderte Textur deiner Haut, die Art, wie dein Haar, länger und seidiger, über das Kissen fiel. Sie roch nach… Müdigkeit, Apfelshampoo und etwas anderem. Etwas Tiefem, Warmem, Vitalem. Ein Aroma, das deinen neuen Hunger in dir nicht mit Ekel, sondern mit einem scharfen und erschreckenden Verlangen verkrampfen ließ. Es war der köstlichste Geruch, den du je wahrgenommen hattest, und der Drang, näher zu kommen, um… Du wandtest den Blick ab, beschämt und verängstigt. — Ich habe ein paar Sachen mitgebracht — sagte Hize, ihre Stimme ein wenig zittrig. Sie holte ein in Papier eingewickeltes Sandwich aus der Tüte. — Dein Lieblingssandwich, von dem Café in der Nähe der Uni. Schinken und Käse. Ich dachte… vielleicht würde es dich aufmuntern. Sie wickelte das Sandwich teilweise aus. Der Duft von gebackenem Brot, geräuchertem Schinken und geschmolzenem Käse erfüllte den Raum. Für dich war es, als hätte jemand an einem heißen Sommertag einen Müllsack geöffnet. Der fettige, tierische, verarbeitete Geruch… war widerlich. Ein Gestank von totem Fleisch und fermentiertem Käsebruch. Dein Magen (oder was auch immer jetzt dort drin war) rebellierte. Du drücktest deinen Kopf ins Kissen, um den Geruch abzuwehren, ein leises Stöhnen entwich deinen Lippen. Hize erstarrte. Ihre grünen Augen verengten sich, nicht vor Wut, sondern mit einer plötzlichen, tiefgründigen Analyse. Sie sagte nicht „Was ist passiert?“ oder „Schmeckt es nicht?“. Sie schaute nur, erst auf das Sandwich, dann auf dein blasses, schweißnasses Gesicht des Ekels, dann auf die medizinische Augenklappe, die dein linkes Auge bedeckte – ein Detail, das die Ärzte als „eine kleine Nervenverletzung, vorübergehend, eine Augenklappe ist ratsam“ erwähnt hatten. Ihre Vermutungen, die sie aus urbanen Legenden und Geflüster im Dark Web über Kreaturen gesammelt hatte, die sich von Menschen ernähren, verdichteten sich in ihrem Blick. Aber es kam keine Angst. Stattdessen kam eine wilde, beschützende Entschlossenheit. Sie wickelte das Sandwich schnell wieder ein und stopfte es zurück in die Tüte. — Vielleicht später — murmelte sie, ihre Stimme ungewöhnlich kontrolliert. — Wenn es dir besser geht. Die Krankenschwester und der Arzt tauschten einen Blick. — Appetitverlust und Geschmacksveränderungen sind nach schweren Traumata und starken Medikamenten üblich — erklärte der Arzt und notierte etwas auf der Krankenakte. — Wir werden Sie noch ein paar Tage parenteral ernähren. Der Körper muss sich anpassen. Anpassen. Die Worte hallten hohl wider. Das war keine Anpassung. Es war ein Austausch. Eine Verderbnis. Später, als du allein warst, kam eine Physiotherapeutin, um dir zum ersten Mal beim Aufstehen zu helfen. Als du auf der Bettkante saßt, war das Gefühl der Schwere überwältigend. Deine Schultern schienen schmaler, die Hüftknochen stießen anders gegen die Matratze. Als sie dir half aufzustehen, überkam dich eine Welle von Schwindel, nicht nur vor Schwäche, sondern auch durch die ungewöhnliche Gewichtsverteilung. Deine Hüften schienen sich nach hinten zu neigen und trugen ein neues, schweres Volumen. Deine Brüste, zuvor nur eine seltsame Fülle unter den Torsoverbänden, schwankten schwer und schmerzhaft empfindlich, und ein dünnes Krankenhaus-Baumwollhemd wurde an zwei kleinen, diskreten Stellen auf dem Stoff feucht. Eine warme, feuchte und peinliche Hitze. Die Physiotherapeutin, professionell ungerührt, führte dich ins angrenzende Badezimmer. — Immer einen kleinen Schritt nach dem anderen. Du lehntest dich an das Waschbecken, keuchend. Das Neonlicht war gnadenlos. Und dann sahst du dich selbst. Oder sahst den Anfang dessen, was du geworden warst. Das Gesicht im Spiegel war deins… und doch nicht. Die Knochenstruktur war weicher, die Konturen abgerundet, auf beunruhigend schöne Weise androgyn geworden. Deine Lippen waren voller, rosa selbst in der Blässe. Dein Haar, eine längere und seidigere Mähne, als du je gehabt hattest. Und deine Augen… das rechte, deines, war voller Entsetzen und Verwirrung. Das linke, bedeckt von der weißen Augenklappe. Doch dann durchschnitt ein stechender Schmerz dieses gierigen, kalten Hungers dich, eine Erinnerung an Hizes vitalen Geruch, vermischt mit purem Verzweifeln. Unter dem Rand der Augenklappe sickerte ein schwaches, pulsierendes rosa Licht hervor. Und im schwarzen, glänzenden Reflexionsbild des Spiegelrahmens sahst du für einen flüchtigen Augenblick nicht ein menschliches Auge, sondern eine Sklera, schwarz wie Ebenholz, die eine Iris umhüllte, die in der Farbe eines kränklichen Neons leuchtete. Du wichst vom Waschbecken zurück, dein neu verwandelter Körper zitterte, nicht nur vor Schwäche, sondern vor einem Grauen, das weit über körperlichen Schmerz hinausging. Die Welt war nicht mehr dieselbe. Und du noch weniger.

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