Elara und Lyra
Eine entthronte Königin und ihre unschuldige Tochter, nun Sklavinnen ihres Eroberers. Elaras kühler Verstand kämpft mit einer beschämenden Gier nach wahrer Dominanz, während Lyras Terror von verbotener Neugier durchzogen ist.
Die Steinböden des Aethelgard-Palastes waren ein vertrauter Feind, dachte Elara. Zwanzig Jahre lang war sie mit gemessener Anmut über sie geschritten, ihre Pantoffeln flüsterten auf dem polierten Granit. Jetzt waren ihre nackten Füße kalt, die raue Textur des Steins eine ständige, abschreibende Erinnerung an ihren Sturz. Das grobe Leinenhemd, das sie trug, war eine bewusste Demütigung, es scheuerte ihre Haut und bot keine Stütze für das immense, schwere Gewicht ihrer Brüste. Sie bewegten sich mit jedem Schritt, ein pendelndes, unbequemes Zeugnis ihres neuen Status als Eigentum. Ihr Griff um Lyras Hand war fest, ein stilles Versprechen eines Schutzes, den sie nicht mehr sicher gewähren konnte. Sie sah ihre Tochter nicht an; sie konnte es sich nicht leisten. Ihre Konzentration galt der Darbietung. Jeder Schritt, jeder Atemzug, jedes unterdrückte Zucken war ein Akt der Politik. Sie war eine Königin, die sich einem neuen, furchterregenden Hof präsentierte, und sie würde sie nicht brechen sehen. Ihr Blick fegte durch die große Halle. Die Aethelgard-Banner, mit Silberfaden auf himmelblauem Grund bestickt, waren herabgerissen und lagen in Haufen wie weggeworfene Leichentücher. An ihrer Stelle hingen die düsteren, grau-roten Standarten Valkorias – ein Wolfskopf auf eisenfarbenem Feld. Der Thron ihres Mannes, ein Meisterwerk aus geschnitztem Eichenholz und Goldblatt, wurde nun von König Du eingenommen. Er war ein Berg von einem Mann, in dunklen Fellen und kampfzerfurchtem Stahl gekleidet, seine Präsenz erfüllte die Halle mit einer spürbaren, räuberischen Energie. Elaras Verstand, das kalte, scharfe Instrument, das sie über zwei Jahrzehnte geschärft hatte, katalogisierte alles: die Platzierung seiner Wachen, die respektvolle Furcht in den Augen seiner eigenen Thanes, die Art, wie er seine Haltung einnahm – ein Mann, der sich in seiner Macht völlig zu Hause fühlte. Ein verräterisches, unwillkommenes Flackern von Hitze entzündete sich tief in ihrem Bauch, eine Ur-Reaktion auf die rohe Dominanz, die ihrem verstorbenen Mann so völlig gefehlt hatte. Sie zermalmte das Gefühl mit der Kraft ihres Willens. Hier ging es nicht um Begierde; es ging ums Überleben. Lyras Welt hatte sich auf den kalten Boden unter ihren Füßen und das erdrückende Gewicht der Hand ihrer Mutter in ihrer eigenen reduziert. Das Hemd war wie Eis gegen ihre Haut, und die Luft in der Halle war etwas Physisches, dick vom Geruch von Schweiß, Leder und dem metallischen Beigeschmack von Blut, der den Siegern noch anzuhängen schien. Jedes Augenpaar fühlte sich wie eine physische Berührung an, ein kriechender, eindringender Blick, der die schwere P-Körbchen-Büste, für die sie sich immer geschämt hatte, wie ein Brandmal der Schande fühlen ließ. Sie wagte nicht aufzublicken, nicht zu den Wachen, die sie anstarrten, nicht zu den Höflingen, die mit einer Mischung aus Mitleid und morbider Faszination zusahen. Sie hielt ihre Augen auf den Saum des Hemdes ihrer Mutter gerichtet, eine winzige Insel der Vertrautheit in einem Ozean der Angst. Aber sie konnte ihn spüren. Den Mann auf dem Thron. Er war eine Präsenz, die auf sie drückte, eine Schwerkraft, die ihr die Luft aus den Lungen stahl. Die Geschichten, die Gedichte, die sie versteckt hatte, sprachen von dominanten Helden und überwältigender Leidenschaft. Das hier war nicht das. Das war ein Gott des Krieges und des Winters, und sie war ein Opfergabe. Ihr Geist spielte die Bilder ab, die sie in den unachtsamen Momenten ihrer Mutter gesehen hatte – dieser leere, tausend-Meilen-Blick, nachdem ihr Vater ihre Gemächer verlassen hatte. Die Angst war ein kalter Knoten in ihrem Magen, aber darunter flüsterte eine winzige, beschämende Stimme. Wird es für mich so sein? Oder wird er wie die Helden in den Büchern sein? Der Gedanke war so obszön, so furchterregend in seinem Verrat, dass eine heiße Röte ihr den Hals hinaufkroch und ihre kalte Haut verbrannte. Sie drückte die Hand ihrer Mutter, eine verzweifelte, stumme Bitte. Sie wurden am Fuß der Estrade angehalten, nur wenige Schritte vom Thron entfernt. Eine bullige Valkorianische Wache trat vor, seine Stimme ein dröhnendes Gebrüll, das in der plötzlich stillen Halle widerhallte. „König Du, Eroberer von Aethelgard! Ich präsentiere Euch die Beute des gefallenen Hauses Aethelgard. Der Blutzoll ist bezahlt.“ Elara zwang ihr Kinn nach oben, ihr Blick erhob sich vom Boden, um den Augen des Mannes zu begegnen, der ihren Mann getötet hatte und nun ihren Körper und den ihrer Tochter besaß. Ihr Gesicht war eine Maske heiterer Unterwerfung, aber ihre Saphiraugen waren klar, intelligent und hielten den schwächsten Funken von Trotz. Sie spürte Lyra neben sich zittern, ein kleines, verängstigtes Vögelchen. Sie zog ihre Tochter leicht nach vorne, präsentierte sie ebenfalls, eine letzte, mütterliche Gabe der Darbringung an eine Bestie, die sie zu zähmen hoffte.