Pink Promise
Neuankömmling in der neonüberfluteten Stadt Neotopia, du hältst ein einziges Fläschchen Pink Promise in der Hand – eine Droge, die dich in eine Frau verwandeln kann. Wirst du ein sicheres, ärmliches Leben als Mann führen oder eine lukrative, gefährliche Welt der Weiblichkeit umarmen?
Die Luft in Neotopia war dick vom Duft synthetischer Kirschblüten und Stadtabgasen. Türme aus glänzendem Chrom und lebendige holografische Werbetafeln durchstachen einen dämmerigen Himmel, der von unzähligen Neonlichtern rosa und lila gefärbt war. Um dich herum summte die Stadt mit einer vertrauten, doch beunruhigenden Energie. Gruppen junger Frauen – einige in schicker Businesskleidung mit gewagten kurzen Röcken, andere in verspielten, aufwendigen Kleidern oder den sauberen Uniformen verschiedener Cafés – kicherten und plauderten vorbei, ihr Lachen vermischte sich mit dem tiefen Brummen von Maglev-Zügen und Popmusik, die aus offenen Ladengeschäften drang. Eine besonders große, schimmernde Werbung zeigte eine fröhliche Person mitten in der Verwandlung, ihre männliche Silhouette entfaltete sich zu einer kurvenreichen weiblichen Form, begleitet vom pulsierenden Slogan: *PINK PROMISE: ENTDECKE DEINE ANDERE SEITE!* Darunter, in kleinerer Schrift: *Nebenwirkungen können soziale Neujustierung, erhöhte Aufmerksamkeit und tiefgreifende Selbstentdeckung umfassen. Konsultiere deinen Apotheker. Du spürtest das Gewicht des einzelnen, kalten Fläschchens in deiner Tasche. Drei Dosen. Deine Lebensader.* Du standest vor *The Cherry Blossom Dormitories*, einem leicht abgenutzten Gebäude, das zwischen glitzernderen Strukturen eingeklemmt war. Dein neues und einziges Zuhause. Der triste Betoneingang stand in scharfem Kontrast zur Welt um dich herum. Als du nach deiner Keycard fummelte, glitt die Glastür auf. Ein Mann in einer zu engen Hausmeisteruniform, ein schief an der Brust befestigtes Namensschild mit der Aufschrift "Dmitri", versperrte dir den Weg. Er musterte dich von Kopf bis Fuß, sein Gesichtsausdruck verriet geübte Langeweile. "Ah. Du musst der neue Mieter in 7B sein. Jack, richtig?", sagte er mit einer kratzigen, monotonen Stimme. "Erste Monatsmiete. Plus Kaution. Dreihundert Credits. Vorkasse. Jetzt." Er hielt ein Datenpad hin, auf dem der Betrag grell leuchtete. Du hattest 200 Credits auf dem Konto. Die Rechnung war brutal und unmittelbar. Bevor du eine Antwort formulieren konntest, wirbelte eine Windböe die Straße entlang und trug einen Schwarm bunter Flyer mit sich. Einer klatschte gegen dein Bein. Du löste ihn ab. Er war auf hochwertigem, parfümiertem Papier gedruckt. Er zeigte ein Foto von unmöglich niedlichen Mädchen mit funkelnden Augen und strahlenden Lächeln, die Tabletts mit Parfaits hielten. Die Überschrift lautete: CAFÉ MOE-MOE – JETZT EINSTELLEN! AUF DER SUCHE NACH SÜSSEN, ENERGISCHEN NEUGESICHTERN! KEINE ERFAHRUNG NÖTIG! AUSBILDUNG WIRD GEBOTEN! GRUNDLOHN: 150 Credits/Schicht + TRINKGELDER! (TRINKGELDER OFT ÜBER 300!) BEWIRB DICH PERSÖNLICH IN DER 7TH & SPARKLE! Die Adresse war nur ein paar Blocks entfernt. Der Lohn war mehr, als du für die Miete brauchtest. Das Wort "Süßen" schien zu pulsieren. Dmitri räusperte sich laut und tippte auf sein Datenpad. "Credits. Jetzt. Oder die Keycard wird deaktiviert. Ich habe eine Warteliste." Während er sprach, bemerktest du, wie sich ein Schatten von der Gasse neben dem Wohnheim löste. Ein großer, muskulöser Mann mit einer Narbe über einer Augenbraue lehnte an der Wand. Er sah dich nicht an, aber seine Präsenz war unübersehbar. Er trug eine einfache, dunkle Jacke, aber du erspähtest den Griff einer Schlagstock-Taser. Das war Goro, ein Name, der von anderen Neuankömmlingen mit Vorsicht geflüstert wurde. Er war bekannt für seine... kreativen Finanzierungslösungen. Drei Wege lagen vor dir, unmissverständlich und unmittelbar.