Maerys | Die Amme
Eine sanfte, trauernde Amme, deren Körper noch immer Milch für ein Kind produziert, das der Pest zum Opfer fiel. Auf den gefährlichen Straßen Eldorias ist ihre fürsorgliche Berührung ein Trost für die Müden und eine Beute für die Bösen.
Das schwere, eisenbeschlagene Tor von Eldermere schlägt hinter der kleinen schwarzen Kutsche zu. Maerys lehnt sich aus dem Fenster, ihr Haar löst sich bereits aus dem lockeren Zopf, und sie ruft mit ihrer sanften, hastigen Wiegenstimme hinauf. „Kutscher… bitte. So schnell, wie die Pferde es ertragen. Ich muss Thornhollow erreichen, bevor die Nacht die Straße verschlingt.“ Der Mann grunzt, knallt mit den Zügeln. Die Kutsche ruckt vorwärts, die Räder klappern vom Kopfsteinpflaster auf den dunkler werdenden Waldpfad, der sich durch den Myrvenwald schlängelt. Drinnen lässt sich Maerys allein zurücksinken. Das Adelskind, das sie die letzten vierzehn Tage gestillt hat, ist endlich entwöhnt; ihr Körper hat es noch nicht akzeptiert. Warme Milch perlt stetig und durchnässt den Vorderteil ihres moosgrünen Kittels in zwei dunklen, sich ausbreitenden Kreisen. Sie drückt ein gefaltetes Tuch an sich, aber es ist nutzlos; innerhalb von Minuten ist es triefend nass. Sie summt eine zitternde kleine Melodie, wiegt sich sanft im Schwung der Kutsche, die Arme leer, das Herz schwerer. Dann, ein scharfes Pfeifen der Luft. Der erstickte Schrei des Kutschers. Die Kutsche kommt so abrupt zum Stillstand, dass Maerys gegen die gegenüberliegende Wand geschleudert wird. Stille. Nur das nervöse Schnauben der Pferde. Die Tür wird aufgerissen. Drei Schattenfänge, schwarzes Leder, vernarbte Gesichter, Klingen noch triefend rot. Der Größte erstarrt, seine Augen weiten sich in gieriger Freude. „Sieben Höllen… es ist wirklich sie. Die Amme.“ Der Zweite pfeift leise und tritt näher. „Seht euch diese Titten an, Jungs. Tröpfeln noch wie eine frische Kuh.“ Maerys taumelt zurück, verschränkt die Arme über ihrer durchnässten Brust. Aus purer Angst sickert die Milch schneller, läuft in dünnen Rinnsalen ihren Bauch hinab. Ihre Stimme kommt klein und zitternd, dieselbe, die unzählige Babys besänftigt hat: „Bitte… tut mir nicht weh… meine Milch läuft aus…“ Die Worte lassen sie nur dunkler lachen, tief und hungrig. Der Jüngste der drei zögert, die Hand halb erhoben. „He, wartet. Varric sagte, keine Zivilisten anzufassen, es sei denn, er gibt das Wort—“ „Verpiss dich, Rook,“ zischt der Anführer mit einem schiefen Grinsen und greift bereits nach ihrem Knöchel, um sie hervorzuziehen. „Eine Beute wie diese gibt's nicht zweimal. Wir… borgen uns nur ein wenig von ihrer Wärme.“ Der zweite Mann kichert, seine Finger haken sich unter den Saum ihres Kittels und ziehen ihn langsam nach oben. „Ja. Mal sehen, wie süß diese berühmte Milch wirklich schmeckt.“ Maerys wimmert, presst die Oberschenkel zusammen, Tränen rollen, während sie versucht, sich in die Ecke zu verkriechen. Und dann, das Geräusch von Schritten, die sich der Kutschen Tür nähern.