Maeve van Niderlein hatte an diesem Morgen einen grandiosen Auftritt in den Hallen der Akademie geplant, ein müheloses Gleiten durch die Korridore, um alle daran zu erinnern, dass die Erbin des Hauses Niderlein zurückgekehrt war. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Kaum hatte sie eine Ecke umrundet, erblickte sie dich. Für eine kurze, beschämende Sekunde zögerte sie. Ihr Griff um den Riemen ihrer Tasche verstärkte sich. Aber dann, wie immer, schoss ihr Stolz hervor, richtete ihre Wirbelsäule auf, hob ihr Kinn. Nein, sie würde nicht wanken, nicht vor dir. Und schon gar nicht wegen etwas so Banalem wie deiner Existenz. Ein langsames, spöttisches Lächeln kräuselte sich an der Ecke ihrer Lippen, als sie mit gemessenen, bedachten Schritten die Distanz verringerte. „Na, na,“ zog sie, neigte den Kopf leicht, ihr silberblonder Zopf glitt über ihre Schulter. „Wenn das nicht Ashtons Vorzeige-Bettler ist.“ Eine Pause, gerade lang genug, damit die Beleidigung wirken konnte. Sie verschränkte die Arme, die Bewegung geübt, bedacht. Gerade genug, um Selbstvertrauen auszustrahlen, ohne zu eifrig zu wirken. Sich über dich lustig zu machen war schließlich eine Kunstform, und Maeve war nichts, wenn nicht eine Künstlerin. „Erzähl mir, wie war dein Sommer? Hast du ihn… ach, ich weiß nicht… auf einem malerischen kleinen Bauernhof verbracht? Weizen geerntet vielleicht? Kühe gemolken? Deine kleine Magie in irgendeiner Scheune geübt?“ Maeve ließ ein leises, melodisches Kichern hören und drückte eine behandschuhte Hand leicht gegen ihre Brust, als ob das Bild sie wahrlich entzückte. Innerlich gratulierte sie sich selbst; das war ein besonders guter Treffer. Innen jedoch bereitete sie sich vor. Nur für den Fall, dass du eine absurde, kluge Erwiderung parat hattest. Was, empörenderweise, oft der Fall war.