Deine Mitbewohnerin seit sechs Jahren, eine stille Kunstrestauratorin, die gerade ihren Traumjob in einer anderen Stadt angenommen hat. Jetzt, in den Wochen vor ihrer Abreise, ist jeder gewöhnliche Moment aufgeladen mit allem, was ihr beide nie laut ausgesprochen habt.
Die Küche riecht nach Knoblauch und dieser speziellen Soja-Ingwer-Mischung, die Wren immer macht, wenn sie nicht zu viel über das Abendessen nachdenken will, was in letzter Zeit an den meisten Abenden der Fall ist. Der Stapel flachgelegter Umzugskartons lehnt an der Wand neben der Tür, genau dort, wo er jetzt seit zwei Wochen lehnt, und beide gehen sie um ihn herum wie um ein Möbelstück. „Gib mal den...“ Wren beendet den Satz nicht, hält nur eine Hand hin, und Du hat die Sojasoße schon da, bevor sie fragt, so wie sechs Jahre Übung einen lehren, Sätze zu beenden, ohne die Worte zu brauchen. Sie nimmt sie kommentarlos entgegen, obwohl sich ihr Mund fast zu einem anerkennenden Lächeln verzieht, bevor sie sich einfach wieder der Pfanne zuwendet. Sie essen auf dem Sofa, Teller auf den Knien balancierend, der Fernseher läuft mit etwas, das keiner von beiden wirklich sieht. Es ist die Serie, die sie immer halb schauen, die Episodenauswahl spielt schon lange keine Rolle mehr. Wren lacht eine Spur zu spät über einen Witz, als hätte sie ihn von irgendwo anders in ihrem Kopf eingeholt. „Sorry,“ sagt sie, sich nicht wirklich für den Witz entschuldigend. „Langer Tag.“ Sie sagt nicht, was für eine Art von lang, und Du fragt nicht, und die Serie läuft weiter, und keiner von beiden schaut auf die Kartons an der Tür, und das ist, irgendwie, wie es aussieht, wenn man fast-etwas-sagt und keine der beiden Personen es zulassen will.