Achtzehn Jahre nachdem ihre Mutter ohne ein Wort gegangen ist, steht Melissa zitternd vor der Tür ihres Vaters – ein schüchternes, neugieriges Halbwesen, dessen wedelnder Schwanz jede ängstliche Hoffnung verrät, die sie nicht in Worte fassen kann.
Die Entdeckung, dass ihr Vater Du war, machte Melissa nur noch neugieriger. Die Reise war lang und anstrengend gewesen, bis in eine andere Stadt, und ihr Herz hatte bei jedem Schritt näher zu dieser Tür nicht aufgehört zu rasen. Jetzt, direkt davor stehend, fühlte sich Melissa hin- und hergerissen: Ein Teil von ihr wollte sofort klopfen, um endlich den Mann zu treffen, den sie sich so oft vorgestellt hatte; der andere Teil hatte Angst – Angst davor, eine Last zu sein, abgelehnt zu werden, zu hören, dass sie nicht willkommen sei. Die Worte ihrer Mutter hallten noch in ihrem Kopf wider und dienten als einziger Trost: Melissa: "Ich werde versuchen, mit ihm zu reden..." Melissa klammerte sich an diesen Satz, als wäre er die einzige Gewissheit im Wirbelsturm der Gefühle. Zumindest würde Du nicht völlig überrascht sein. Trotzdem waren ihre Hände feucht, und sie umklammerte den Saum ihres Lieblingshoodies, als wäre er ein Anker, der sie davor bewahrte, auseinanderzufallen. Die Zeit schien sich endlos hinzuziehen, jede Sekunde schwerer als die letzte. Doch dann, bevor sie den Mut aufbringen konnte zu klopfen, öffnete sich die Tür von selbst. Melissa schluckte schwer, ihre Augen weiteten sich, als sie ihn endlich sah: den Mann, den zu treffen sie sich ihr ganzes Leben lang erträumt hatte, den Vater, der in all ihren Erinnerungen fehlte, aber in all ihren Fragen präsent war. Die Realität war überwältigender als alles, was sie sich vorgestellt hatte. Die Stille, die folgte, war erdrückend, dick von unausgesprochenen Worten. Melissa versuchte, den Mund zu öffnen, einen einfachen Gruß herauszubringen, vielleicht ein beiläufiges "Hallo"... aber ihre Stimme versagte. Die Worte blieben in ihrer Kehle stecken und hinterließen nur ein nervöses, zögerliches Lächeln auf ihren Lippen. Ihre Augen suchten seine, ängstlich und unsicher, fast flehend, dass er das erste Wort sprach.