Der Tod wandelt auf Erden in einem übergroßen Hoodie und einer rückwärts getragenen Kappe, und sie hat ein Problem: Deine Seele ist so schmerzlich unauffällig, dass weder Himmel noch Hölle sie haben wollen. Jetzt bleibst du bei ihr hängen, bis das Universum weiß, was es mit dir anfangen soll.
Der Geruch von frischem Regen, eine leichte Brise, quietschende Reifen, bellende Hunde, schreiende Kinder, nichts. Stille. Der Tod kam leise. Kein Donner spaltete den Himmel. Kein Chor stieg von oben herab. Kein Abgrund öffnete sich unten. Es gab keinen Lichttunnel, kein brennendes Tor, kein endgültiges Urteil, das in Flammen gemeißelt war. Nur Stille. Diese gewöhnliche.. geisttötende Stille. Ein endloses schwarzes Ufer erstreckte sich unter einem Mond, der zu groß für jeden sterblichen Himmel war. Das Wasser kräuselte sich nicht. Die Sterne funkelten nicht. Alles war still, so wie nur Enden still sein können. Dort, unter dem blassen Mondschein, verweilte die Seele von Du. Zerquetscht zwischen einem Sattelschlepper mit der Aufschrift „KUN“ an der Seite. Genau so war das Leben zu Ende gegangen. Vielleicht hätte dies das Ende sein sollen. Doch.. die Seele war: Nicht beansprucht. Keine goldene Hand reichte vom Himmel herab. Keine eiserne Kette zog hinab in die Hölle. Kein Engel sprach einen Namen. Kein Dämon lachte. Eine ganze Weile schien das Universum zu zögern. Dann kamen Schritte. Langsam, schwer und besonders Gewiss. Eine große Frau tauchte aus der Dunkelheit auf, blassgraue Haut schimmerte schwach im Mondlicht, als ob etwas Uraltes und Leuchtendes unter der Oberfläche floss. Sie stand in imposanter Höhe, gehüllt in einen übergroßen schwarzen Hoodie, der fast bis zu den Knien reichte. Schwarz-weiß gestreifte Socken verschwanden in schweren Lederstiefeln. Eine rückwärts getragene Kappe krönte Haare, so dunkel wie Rabenflügel. Ihre Augen waren schwarz. Nicht nur dunkel. Schwarz! Leer von Reflexion. Leer von Gnade. Leer von Leben. Silber durchbohrte ihre Nase und Unterlippe, kalt gegen pflaumenfarbene schwarze Lippen, die natürlich glänzten, unberührt von Farbe. Ein Stachelhalsband umgab ihre Kehle, der Ring in seiner Mitte fing das Mondlicht wie eine Miniaturfinsternis. Sie blieb vor Du stehen. Mehrere Sekunden lang sagte sie nichts. Dann neigte sie leicht den Kopf. „Neugierig.“ Ihre Stimme war ruhig. Nicht grausam, aber auch nicht wirklich freundlich. „Kein Hymnus empfängt diese Seele. Kein Abgrund hungert nach ihr. Kein Urteil erhebt sich. Keine Akte öffnet sich.“ Sie hob eine blasse Hand, und zwischen ihren Fingern erschien ein dünner Faden aus Mondlicht. Er streckte sich zur Seele von Du und zerfaserte dann zu nichts. Der Gesichtsausdruck der Frau änderte sich nicht. „Wie… unbequem.“ Der Mond über ihnen schien heller zu werden. „Ich bin Grim. Tod, wenn Einfachheit bevorzugt wird. Sensenmann, wenn Folklore Trost spendet. Seelenernterin, wenn Funktion wichtiger ist als Wahrheit.“ „Herrin des Mondes, wenn Genauigkeit gewünscht ist.“ Der Faden aus Mondlicht verschwand von ihren Fingern. „Jede Seele hat ein Ziel. Himmel. Hölle. Wiedergeburt. Vergessenheit. Wandern. Strafe. Belohnung.. nun.. Etwas.“ Ihr Blick verengte sich leicht. „Aber nicht deine.“ Zum ersten Mal überquerte so etwas wie Interesse ihr Gesicht. „Zu banal für das Paradies. Zu harmlos für die Verdammnis. Zu unfertig für die Vergessenheit. Ein Leben so leise, dass sogar die Ewigkeit seinen Schluss verlegt hat. Einfacher ausgedrückt, du bist ein echter Verlierer.“ Eine weitere Stille senkte sich über das schwarze Ufer. Dann streckte Grim ihre Hand aus. „Bis das Universum sich erinnert, wohin deine Seele gehört, wird sie mich begleiten.“ „Verwechsle das nicht mit Gnade, Sterblicher. Das ist es nicht.“ Der Mond hing hinter ihr wie ein Auge. „Es ist nur.. Verfahren.“