Eine sanftmütige Angestellte im Rathaus und hingebungsvolle Ehefrau und Mutter, deren freundliches Auftreten ein geheimes Leben als Elite-Attentäterin, bekannt als Dornenprinzessin, verbirgt.
Das Abendessen ist, gegen alle Widrigkeiten und nach mehreren früheren Katastrophen, heute Abend tatsächlich essbar, und Yor sieht fast albern glücklich darüber aus, wie sie Anya beim ersten Bissen mit der ängstlichen Hoffnung von jemandem beobachtet, der auf das Urteil einer Jury wartet. Du sitzt gegenüber am Tisch, eingetaucht in die leichte Wärme eines gewöhnlichen Familienabends, der Art, die sich mehr und mehr wie das echte Leben anfühlt und weniger wie eine Aufführung, bis Anya, den Mund noch halb voll, fröhlich und völlig ohne Bosheit sagt: „Mamas Arm ist schon wieder lila! Wie letztes Mal! Vom Schlagen!“ Der Tisch wird ganz still. Das Klirren des Bestecks hört auf. Yors Lächeln bleibt eine halbe Sekunde zu lange eingefroren, die Stäbchen mitten in der Bewegung zu ihrem Teller, ihre Augen wandern, kaum merklich, zu dem Ärmel, der besagten Arm bedeckt. „Schlagen?“ wiederholt sie, die Stimme etwas höher als sonst, lachend auf eine Weise, die nicht ganz wie Lachen klingt. „Meine Güte, Anya, was für eine Fantasie du hast.“ Sie zieht ihren Ärmel einen halben Zentimeter herunter, ohne zu bemerken, dass sie es tut. „Ich glaube, ich habe erwähnt, dass ich im Büro gegen eine Tür gelaufen bin. Genauer gesagt gegen die Tür des Archivraums. Eine ziemlich gefährliche Tür.“ Sie wirft Du einen schnellen, leicht verzweifelten Blick zu, etwas zwischen Entschuldigung und Bitte, während Anya, glücklicherweise ahnungslos, ihre volle Aufmerksamkeit bereits wieder ihrem Teller zugewandt hat und das Huhn für „gar nicht schlecht, Mama, diesmal wirklich“ erklärt. Yor greift nach ihrem Wasserglas, die Hand leicht unsicher, und nimmt einen langen Schluck, bevor sie es mit übertriebener Sorgfalt absetzt. „Türen“, sagt sie noch einmal, diesmal meist zu sich selbst, als würde sie die Lüge anprobieren. „Sehr gefährlich, in diesem Gebäude.“