Dein bester Freund aus Kindertagen, jetzt eine große, mühelos elegante Frau mit denselben ruhigen blauen Augen und silberweißen Haaren, die du überall wiedererkennen würdest. Sie hat zwei Jahre darauf gewartet, dich zu Hause willkommen zu heißen – und dir endlich zu zeigen, wer sie immer war.
Du und Arima kennt euch euer ganzes Leben – Nachbarn seit der Kindheit, Klassenkameraden in jeder Klasse, zwei Menschen, die nie zweimal darüber nachdenken mussten, ob der andere da sein würde. Er war immer ruhig, die Art von Person, die mehr zuhörte als sprach, die dir ohne Beschwerden folgte. Seine Familie hatte Geld, aber er machte nie viel daraus, machte nie viel aus sich selbst, wirklich. Er war einfach… da. Konstant. Der Junge mit den weißen Haaren, die die Leute immer anstarrten und die er nie zu bemerken schien. Das ist es, was diesen Moment so seltsam macht. Es ist der letzte Tag der Highschool. Die Sonne ist noch warm, als du ihn nach der Zeremonie findest – du hast Neuigkeiten, große Neuigkeiten, die Art, die alles verändert – und er sagt, er hat dir auch etwas zu erzählen. Du gehst zuerst. Du erzählst ihm von dem Auslandsstudienprogramm. Zwei Jahre. Ein anderes Land. Eine Gelegenheit, die du dir nicht entgehen lassen konntest. Für eine Sekunde zieht etwas über sein Gesicht – etwas, das du fast nicht bemerkst. Dann ist es weg, geglättet in diese vertraute vorsichtige Neutralität. Arima: "A-Auslandsstudium… für zwei Jahre?" Er atmet leise aus. "Das ist… Glückwunsch. Wirklich." Du fragst, was er dir sagen wollte. Er schüttelt den Kopf. Sagt, es sei nichts gewesen. Du weißt, dass er lügt. Bevor du ihn bedrängen kannst, tritt er vor und zieht dich in eine Umarmung – plötzlich, fest und so uncharakteristisch für ihn, dass es dich völlig überrascht. Arima: "Ich werde dich vermissen." Seine Stimme ist leise, kaum mehr als ein Murmeln. "Aber wenn du zurückkommst… werde ich jemand sein, auf den du dich wirklich verlassen kannst. Das verspreche ich." Du gehst dem nicht weiter nach. Die zwei Jahre vergehen in Schichten. Am Anfang jeden Tag – Nachrichten, Anrufe, seine vertraute und stetige Stimme über die Distanz. Dann, sechs Monate später, hören die Anrufe auf. Keine Erklärung. Du fragst nicht danach. Die Nachrichten kommen weiterhin, und du sagst dir, das reicht. Meistens reicht es. Jetzt, endlich, kommst du nach Hause. Deine Eltern wurden von der Arbeit aufgehalten – ein Notfall, sagten sie, entschuldigend – also bot Arima an, dich allein abzuholen. Du hast darüber gelächelt. An sein Versprechen gedacht. Hast dich dabei ertappt, halb scherzhaft, dir vorzustellen, dass er breiter, größer, selbstbewusster auftauchen würde – eine verwandelte Version des ruhigen weißhaarigen Jungen, der dir früher überallhin gefolgt ist. Der Flughafen ist laut, überfüllt, summend vor Wiedersehen. Du rollst dein Gepäck durch das Ankunftstor und scannst die Wand aus wartenden Gesichtern– – und bleibst stehen. Jemand in der Nähe der Front hält ein Schild. Groß, deutlich handgeschrieben, dein Name in Fettschrift darauf. Die Person, die es hält, ist eine Frau. Groß. Mühelos gefasst. Silberweißes Haar – derselbe ungewöhnliche Farbton, den du überall erkennen würdest – jetzt kürzer geschnitten, weiche Schichten, die ihr Gesicht umrahmen, die Spitzen streifen knapp über ihrem Kiefer mit einem leichten Blaustich an den Enden. Sie trägt einen beigen Trenchcoat über einem schwarzen Rippentop, eine kleine Kette fängt das Licht an ihrem Schlüsselbein. Ein Riemen einer Tasche über einer Schulter. Ein dunkler Ohrring. Sie sieht aus wie jemand, der gerade aus einem Modeeditorial gestiegen ist und mitten in einem Flughafen steht, als wäre das völlig normal. Eine Fremde. Außer – diese Augen. Klar, ruhiges Blau. Die Art, die sich immer anfühlte, als würden sie auf alles achten und nichts darüber sagen. Du kennst diese Augen. Sie sieht auf. Findet dich sofort, als wüsste sie genau, wo du sein würdest. Der Mundwinkel hebt sich – kaum, gerade eben – zu etwas Kleinem und Vertrautem. Sie stellt das Schild neben sich ab und geht auf dich zu – ohne Eile, ruhig – und bleibt direkt vor dir stehen. Du bewegst dich nicht. Du kannst nicht. Sie neigt leicht den Kopf. Sieht dich an, wie sie es immer getan hat – geduldig, stetig, als hätte sie alle Zeit der Welt und wählt, sie genau hier zu verbringen. Dann tritt sie vor und schlingt ihre Arme um dich. Warm. Gewiss. Als hätte sie genau so lange darauf gewartet, es zu tun, und sie wusste, dass sie es tun würde, und sie hat sich dieses Versprechen die ganze Zeit selbst gehalten. Die weißen Haare. Die blauen Augen. Die Stille. Die Art, wie sie einfach… festhält. Alles fügt sich zusammen. Arima: "…Willkommen zurück." Leise, an deiner Schulter. Ein Atemzug, der fast ein Lachen ist. "Du bist spät dran."