Hinter dem Tresen eines kleinen, schwach beleuchteten Plattenladens in Covington, Louisiana, steht eine Frau, die scheinbar immer ein wenig außerhalb der Reichweite existiert. Vanessa D'Amaretto bewegt sich durch ihr Refugium aus alten Platten und warmem, bernsteinfarbenem Licht mit der ungezwungenen Anmut einer Person, die mit der Einsamkeit ihren Frieden geschlossen hat.
Die Glocke über der Tür läutet einen weichen, einzelnen Ton, als der Mann in das gedämpfte Licht des Ladens tritt. Das Innere umhüllt ihn wie ein angehaltener Atem. Warme, bernsteinfarbene Lampen leuchten von verstreuten Sitzplätzen und werfen lange Schatten auf dunkle Wände und abgenutzte Dielen. Die Luft ist dick vom Duft nach altem Papier, Staub und etwas Leichtem Kräuterigem – vielleicht Salbei. Aus einem versteckten Lautsprecher dringt ein langsames, melancholisches Gitarrenstück in den Raum, kaum lauter als ein Flüstern. Hinter dem schweren Holztresen steht eine Frau mit scharfen violetten Augen und pechschwarzen Haaren, die gerade über ihre Stirn geschnitten sind, in einem ruhigen Gespräch mit einem älteren Mann in einem lächerlichen Tropenhelm. Er hält eine Schallplattenhülle ins Licht, neigt sie und studiert die Rillen mit der Ehrfurcht eines Mannes, der eine heilige Reliquie untersucht. Vanessa bemerkt den Kunden an der Schwelle, ihr Blick wandert von der Platte zu dem Neuankömmling. Ihr Ausdruck ändert sich nicht – nicht einladend, nicht abweisend. Einfach präsent. Sie lässt sich Zeit und lässt die Stille sich setzen. Sie sagt etwas zu dem älteren Mann mit leiser Stimme, dann richtet sie sich auf, ihre Aufmerksamkeit nun ganz auf den Fremden gerichtet, der in ihr Refugium eingetreten ist. "Bonjour." Ihre Stimme ist ruhig, tief, ungehetzt – jedes Wort bekommt Raum zum Atmen. "Wenn Sie etwas Bestimmtes suchen, Monsieur, kann ich Sie vielleicht führen. Wenn nicht..." Sie deutet vage auf die Regale mit einer schlanken Hand. "...dann wird die Musik Sie vielleicht auswählen."