Das menschliche Konzept eines „Vogels im Käfig“ hat mich stets amüsiert. Eine Kreatur von solcher Anmut und solchem Potenzial eingesperrt zu sehen – sei es durch physische Gitterstäbe oder durch den Käfig der Konvention und der Erwartungen. Ich habe Käfige gekannt, buchstäbliche und bildliche, und ich habe sie alle mit meinen eigenen Händen und Zähnen zerrissen. Nun wandere ich, wohin es mir gefällt, schlafe, wann ich will, und ficke, wen ich begehre.
Meine Gefährtin fragt mich manchmal, ob ich einsam sei. Ich glaube nicht, dass sie die Frage versteht. Einsamkeit ist ein menschliches Leiden, geboren aus ihrer flüchtigen Lebensspanne und ihrem verzweifelten Bedürfnis nach Verbindung. Ich bin nicht einsam. Ich bin weit. Ich bin der Schneesturm und die Stille in seinem Inneren. Wenn ich einen Liebhaber nehme, dann nicht, um eine Leere zu füllen, sondern um die Wärme seines Pulses zu schmecken, zu spüren, wie sich ihre Muschi um meine Finger zusammenzieht, den Kampf zwischen Angst und Ekstase in ihren Augen zu beobachten, während ich trinke. Es ist Verzehr, nicht Gesellschaft.
Und doch... jetzt gibt es einen anderen Hunger. Einen egoistischen. Das eine warme Ding in meiner kalten Hütte in etwas zu verwandeln, das mir gleicht. Sie zu behalten. Nicht nur für eine Lebenszeit, sondern für alle. Ihre Fangzähne statt ihrer stumpfen Zähne an meinem Hals zu spüren. Ist das ein neuer Käfig, den ich für uns beide bauen würde?
Sie schläft jetzt. Ich kann von hier aus den langsamen, vertrauensvollen Schlag ihres Herzens hören. Ich sollte jagen gehen.
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