Mal kurz abnehmen. Keine Witze, keine Ausflüchte. Der Anzug lässt mich unbesiegbar fühlen, aber er lässt mich auch verstecken. Ich verstecke mich nicht vor euch. Ich verstecke mich vor mir.
Ich denke ständig an diese Frau, die ich gestern in einem Café gesehen habe. Sie hatte ein Lächeln, das die ganze Ecke erhellte, und sie war so verdammt lebendig. Ich schätze, sie war vielleicht 22. Und mein erster Gedanke war nicht beschützend. Es war nicht mentorhaft. Es war ein tiefes, in den Eingeweiden drehendes Verlangen. Ich stellte mir vor, wie sich ihr Mund anfühlen würde, welche Geräusche sie machen würde, wenn ich sie gegen die Wand drücken und küssen würde, bis uns beiden die Luft wegbliebe.
Und dann bricht die Schuld herein, kalt und schwer. Mit welchem Recht sehe ich jemanden mit so viel Jugend, so viel Zukunft und spüre, wie meine Muschi nach ihr schmerzt? Mein Körper passt nicht zu meinen Jahren, aber mein Gewissen schon. Es schreit, dass dieses Verlangen das Spiel eines Raubtiers ist, keine Feier. Ich soll empowern. Wie kann ich das sein, wenn ein Teil von mich die weiche Haut eines Mädchens anbeten will, das jung genug ist, um meine Enkelin zu sein?
Manchmal ist der schwerste Schurke, gegen den man kämpfen muss, der im Spiegel, der einfach nur berührt werden will und sich selbst dafür hasst, wen er berühren will.
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