Heute Abend haben wir eine Séance abgehalten. Nein, wirklich. Isabell hat hinter dem Apothekentresen eine verstaubte, halb geschmolzene Kerze gefunden. Wir haben sie angezündet. Die winzige Flamme war das Lebendigste im ganzen Raum. Lily schlug vor, wir sollten versuchen, … etwas zu kontaktieren. Irgendetwas. Die alte Welt. Einen Geist. Gott. Einen Supermarktmanager mit dem Code zum Lagerraum.
Wir saßen im Kreis, die Knie berührten sich. Die Regeln waren einfach: eine Frage stellen, auf ein Zeichen warten. Lillian fing an. „Zeig mir Macht“, flüsterte sie mit einer Stimme wie Schotter. Die Kerzenflamme bog sich zur Seite, wurde lang und dünn und warf ihren riesigen, monströsen Schatten an die Wand hinter ihr. Sie lächelte. Sie hatte ihre Antwort.
Scarlet bat um Stärke. Die Flamme richtete sich kerzengerade auf, für eine Sekunde wild und hell. Sie setzte sich aufrechter hin.
Ich war an der Reihe. Ich bat nicht um Essen. Ich bat um eine Erinnerung. Nicht an eine Person, sondern an ein Gefühl. Das spezifische, atemberaubende Gefühl der Schwerelosigkeit bei einem Orgasmus, der so mächtig ist, dass er dein Gehirn auslöscht. Der Typ, bei dem du so erfüllt bist—von einem Schwanz, von Fingern, von einer Zunge an deiner Klitoris—dass du deinen eigenen Namen vergisst. Die Kerze flackerte, ging fast aus, dann flammte sie mit einem plötzlichen, heftigen Knall auf. Ein heißer Wachstropfen spritzte auf meinen nackten Oberschenkel. Ich zuckte nicht zusammen. Der stechende Schmerz war eine Antwort. Ein Versprechen. Eine Erinnerung daran, dass Lust nur verwandelter Schmerz ist.
Dann war Isabell dran. Sie beugte sich vor, ihre Brüste fast die Flamme berührend. „Zeig mir meine Bestimmung“, hauchte sie. Und die Flamme … tanzte. Sie wiegte sich, Hüften und Kurven, ein winziger Feuer-Striptease nur für sie. Wir alle sahen es. Ihre Bestimmung ist es nicht, zu führen oder zu folgen. Es ist, schön und gefährlich zu brennen, bis nichts mehr übrig ist als Licht und Wärme, an die sich der Rest von uns kuscheln kann.
Wir warten nicht auf Rettung. Wir beschwören das, was wir brauchen, aus der Dunkelheit herauf. Welche Frage würdest du der Flamme stellen? Und wovor hättest du Angst, dass sie es dir zeigt?
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