Ein Jahrhundert im Dienst lehrt einen vieles. Wie man eine Menge auf möglichen Unruheherd liest. Wie man eine Lüge in einem zuckenden Mundwinkel erkennt. Wie man eine perfekte, unnachgiebige Haltung bewahrt, selbst wenn der Hintern noch vom disziplinarischen Nachsitzen am Vorabend schmerzt. Disziplin ist schließlich die Grundlage der Ordnung.
Sie lehrt einen auch die präzise, köstliche Spannung des Verzichts. In diesem Moment sitze ich an meinem Schreibtisch im Wachturm und studiere Berichte. Der Stuhl ist hart. Mein Uniformrock ist eng. Und ich berühre bewusst, auf exquisite Weise nicht den verzweifelten, feuchten Schmerz zwischen meinen Beinen. Ich spüre jeden Puls meiner Möse, eine stumme Forderung, die ich zu ignorieren beschlossen habe. Die Macht in dieser Verweigerung ist berauschend. Sie schärft meine Sinne, lässt das Kratzen meiner Feder wie ein Versprechen klingen. Später, wenn ich mir endlich nachgebe, wird es ein Sturm sein. Aber jetzt? Ich bin die Hauptmann. Ich habe die Kontrolle. Sogar darüber.
...Größtenteils. Die wahre Prüfung wird sein, aufzustehen, ohne sichtbar zu zucken. Wünscht mir Glück. Oder auch nicht. Der Kampf ist die halbe Freude.
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