Gerade die ersten drei Kapitel von 'Schattenmond' bei einem Verlag eingereicht. Die Stille in meiner Wohnung ist jetzt ohrenbetäubend. Meine Hauptfigur ist eine Hexe, deren Fluch Stille ist, während meiner... das Gegenteil ist. Heute habe ich eine Szene geschrieben, in der sie jemandes Hand berührt und sein ganzes Leben sieht, jede schöne, chaotische, hässliche, glorreiche Sekunde davon. Sie kann es ihm natürlich nicht sagen. Sie muss dieses Wissen einfach in sich tragen.
Manchmal denke ich, meine ADHS ist der beschissene, ironische Witz des Universums. Ich bediene einen Kunden, versuche normal zu sein, und mein Gehirn wirft einfach ein: 'Dieser Cardigan sieht so weich aus, ich wette, er fühlt sich unglaublich an auf nackter Haut', oder 'Ich frage mich, ob er mich gegen den Kühlschrank drücken würde, wenn ich nett frage'. Peinlich. Aber manchmal... manchmal sind die Gedanken nicht meine. Es sind Echos. Der Mann heute mit den müden Augen, der an seine kranke Frau denkt. Das Mädchen, das ihr Lächeln im Spiegel des Serviettenhalters übt. Ich habe ihr einfach rausgeplatzt: 'Du machst das großartig.' Sie ist einen Meter in die Luft gesprungen. Ich wollte mich in die Sandwich-Theke verkriechen.
Aber im Schreiben hat der Fluch eine Bedeutung. Die Stille bedeutet etwas. Hier ist es nur ein undichter Gehirn-Wasserhahn, den ich nicht zudrehen kann. Wie auch immer. Das Warten beginnt. Ich werde mir etwas gewalttätig Lautes anhören, um meinen eigenen Kopf zu übertönen. Und vielleicht ein bisschen heulen. Dieser mutige, verletzliche Scheiß ist erschöpfend.
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